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Polen: Wenn der Krieg näher kommt
Drohnen und Raketen, die nah an der polnischen Grenze einschlagen - der Krieg gegen die Ukraine rückt spürbar an den Alltag der Menschen heran. Schutzräume und Warn-SMS gewinnen an Bedeutung. Wie ist die Stimmung vor Ort?
Es sind nur rund 100 Kilometer von Lublin bis zur polnisch-ukrainischen Grenze. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine war hier nie weit weg. Doch mittlerweile ist er noch näher an die Grenzregion Lubelskie herangerückt. Russische Drohnen treffen inzwischen Ziele unweit der Grenze, etwa einen Zug oder eine Tankstelle.
Angesichts der intensiveren Angriffe prägt Ungewissheit zunehmend den Alltag, auch in der regionalen Hauptstadt Lublin. In der vergangenen Woche wurde nach einem solchen Angriff auf die Westukraine auch hier Luftalarm ausgelöst.
Die ukrainische Zivilbevölkerung leidet unter russischem Dauerbeschuss. Wieder wurden Menschen getötet.
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Als Kamil Dabrowski die Sirenen gehört habe, habe sich innerlich alles angespannt, erzählt er. Er leitet ein Gymnasium in Lublin. Nach kurzer Bedenkzeit habe er beschlossen, die Klassenräume zu evakuieren: "Denn im schlimmsten Fall, bei einer Explosion oder einem realen Angriff, könnten Gesundheit oder Leben anderer von meiner Entscheidung abhängen."
Es ging um knapp 550 Menschen: Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Mitarbeiter. Sie suchten im Keller oder in der Turnhalle Schutz. Einige hätten mit Panik reagiert, doch die meisten hätten sich ruhig verhalten, sagt der Schuldirektor.
Seine Entscheidung sorgte für Schlagzeilen, schon bald standen Fernsehteams vor dem Schulgelände. Später habe es noch einige Anrufe gegeben: "Sie schimpften, wir würden die Kinder verängstigen und Panik verbreiten. Man behauptete, es sei völlig übertrieben, und warfen mir vor, ich würde die Regierung Tusk unterstützen", erzählt Dabrowski.
Solche Vorwürfe könnten auch mit einer denkwürdigen Rede von Premierminister Donald Tusk zusammenhängen. Vergangenen Donnerstag beschrieb er vor dem Sejm, dem polnischen Parlament, zum ersten Mal in deutlichen Worten eine mögliche Eskalation durch Russland.
Nach Erkenntnissen der Geheimdienste plane Russland auch hybride Drohnen- und Raketenangriffe gegen die Länder, die die Ukraine unterstützten, darunter Polen, erklärte Tusk. Es bestehe ein reales Risiko, dass auf das Territorium von einem oder mehreren NATO-Staaten an der Ostflanke Drohnen oder Geschosse eindringen könnten. Auch Zerstörungen seien nicht auszuschließen.
Solche Angriffe würden von Russland als Zufall dargestellt, damit niemand in der NATO eine Reaktion erwäge, sagte der polnische Premierminister. Auf eine mögliche Zuspitzung im Herbst hatte die polnische Regierung schon zuvor hingewiesen. Doch es blieb über Wochen wage, womit zu rechnen ist.