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Zuckermolekül aus rotem Fleisch mit höherem Diabetesrisiko verknüpft
Rotes Fleisch steht seit Langem mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes in Verbindung. Eine große französische Kohortenanalyse deutet nun auf die nichtmenschliche Sialinsäure Neu5Gc als möglichen Teil dieses Zusammenhangs. Menschen mit besonders hoher Aufnahme aus Fleisch hatten ein 63 Prozent höheres relatives Erkrankungsrisiko als jene mit der niedrigsten Aufnahme, doch die Daten sind vorläufig und belegen keine Ursache.
Bobigny (Frankreich). Ein hoher Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch wurde schon in früheren Langzeitstudien mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht. Unklar ist jedoch, welche Bestandteile des Fleisches zu diesem Zusammenhang beitragen. Neben Fett, Hämeisen und Stoffwechselprodukten rückt dabei seit einigen Jahren auch N-Glycolylneuraminsäure, kurz Neu5Gc, in den Blick.
Menschen können Neu5Gc wegen eines evolutionären Verlusts des CMAH-Gens nicht selbst bilden. Über Nahrung aus Säugetieren gelangt die Sialinsäure dennoch in den Körper und kann in menschliche Zellstrukturen eingebaut werden. Gegen diese körperfremde Struktur bildet das Immunsystem Antikörper. Eine solche Reaktion wird als Xenosialitis bezeichnet und gilt als möglicher Entzündungsmechanismus, der bereits bei Gefäßerkrankungen und Krebs diskutiert wurde.
Forscher der Université Sorbonne Paris Nord (USPN) um Dr. Leopold Fezeu haben nun geprüft, ob die Aufnahme von Neu5Gc mit dem späteren Auftreten von Typ-2-Diabetes zusammenhängt. Grundlage waren 89.953 Erwachsene aus der französischen NutriNet-Santé-Kohorte. Sie waren zu Beginn im Durchschnitt 42 Jahre alt, 79 Prozent waren Frauen und niemand hatte bereits Typ-2-Diabetes oder Krebs.
Die Teilnehmer dokumentierten ihre Ernährung in drei 24-Stunden-Protokollen. Daraus schätzte das Team mithilfe einer Datenbank mit gemessenen Neu5Gc-Gehalten die tägliche Aufnahme der Sialinsäure. Anschließend wurden Männer und Frauen getrennt nach ihrer Neu5Gc-Aufnahme aus Fleisch in fünf gleich große Gruppen eingeteilt. Über eine mediane Nachbeobachtungszeit von 7,2 Jahren traten 966 neue Fälle von Typ-2-Diabetes auf.
„Unsere Daten deuten darauf hin, dass eine höhere Aufnahme von fleischstämmigem Neu5Gc mit einem schrittweise höheren Typ-2-Diabetes-Risiko verbunden ist“, erklärt Leopold Fezeu.
Im vollständig angepassten Modell zeigte sich der deutlichste Unterschied bei hoher Neu5Gc-Aufnahme. In der höchsten Fünftelgruppe lag das relative Risiko für Typ-2-Diabetes um 63 Prozent höher als in der niedrigsten Gruppe. Die Hazard Ratio betrug 1,63 mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,29 bis 2,06. Auch die zweithöchste Gruppe zeigte mit einer Hazard Ratio von 1,41 einen statistisch signifikanten Zusammenhang.
Die Analysen berücksichtigten unter anderem Alter, Geschlecht, körperliche Aktivität, Ernährungsqualität, Rauchen und bestehende Erkrankungen. Nach zusätzlicher Berücksichtigung des Body-Mass-Index wurde der Zusammenhang schwächer, blieb laut den vorläufigen Daten aber statistisch signifikant. Eine Mediationsanalyse schätzte, dass Adipositas rund 13 Prozent des beobachteten Zusammenhangs erklären könnte.
Ein wichtiger Vorbehalt betrifft jedoch das rote Fleisch selbst. Sobald die Forscher zusätzlich die gesamte verzehrte Menge an rotem Fleisch statistisch berücksichtigten, wurde der Zusammenhang mit Neu5Gc schwächer und war nicht mehr statistisch signifikant. Damit lässt sich aus den Daten nicht ableiten, dass Neu5Gc unabhängig von den übrigen Bestandteilen roten Fleisches für das höhere Diabetesrisiko verantwortlich ist.
Neu5Gc kommt nicht nur in Fleisch, sondern in geringeren Mengen auch in Milchprodukten vor. Für Neu5Gc aus Milchprodukten fand die Analyse jedoch keinen Zusammenhang mit Typ-2-Diabetes. Betrachteten die Forscher die gesamte Neu5Gc-Aufnahme aus allen Lebensmitteln, lag das relative Erkrankungsrisiko in der höchsten Gruppe um 37 Prozent über dem der niedrigsten Gruppe. Dieser Zusammenhang wurde laut den Forschern vor allem durch den Fleischante