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Nepal nach der Flutkatastrophe: "Die ganze Lebensgrundlage ist weg"
Einen Monat nach der verheerenden Flut kämpfen die Menschen in Nepal noch immer gegen Schlamm, Zerstörung - und mit dem Verlust von Angehörigen. Tausende werden noch vermisst und die Angst vor der nächsten Katastrophe bleibt.
Noch immer sind die Straßen von einer dicken Schicht aus grauem Schlamm, Erde und Geröll bedeckt. Vor einem Hauseingang steht Rajendra Pudasaini und beugt sich mit seiner Schaufel nach vorne: Schippe um Schippe trägt er die Erdmassen ab. Devighat, etwa 60 Kilometer von Nepals Hauptstadt Kathmandu, gehört zu den am stärksten von der Flut betroffenen Orten.
Seit 20 Jahren lebt Pudasaini hier. Er hatte Glück: Sein Haus steht noch. Erdgeschoss und Hof sind jedoch verwüstet und die Wasserversorgung zerstört. "Wir hoffen, dass wir hier wieder einziehen können", sagt er. "Aber die Erinnerung an die Flut ist noch da. Wir wissen nicht, ob es hier wirklich sicher ist."
Seine Nachbarn helfen ihm. Viele kommen tagsüber aus ihren Notunterkünften zurück, um ihre Häuser freizuräumen und nach Dokumenten und Wertsachen zu suchen. Auch Himal Mahat packt mit an. Mit gelber Warnweste gehört er zu den vielen freiwilligen Helfern, die die Folgen der Flut beseitigen. "Die beschädigten Häuser werden gereinigt", erzählt er. Aber niemand wisse, ob die Menschen hier wieder dauerhaft leben könnten. "Dafür brauchen wir zunächst einen Plan der Regierung."
Während Nepal selbst kaum Emissionen verursacht, wird das Land immer härter getroffen.
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Für das arme Land bedeutet die Katastrophe eine enorme wirtschaftliche Belastung: Die Regierung schätzt die Kosten des Wiederaufbaus auf umgerechnet mehr als vier Milliarden Euro - fast ein Zehntel der nepalesischen Wirtschaftsleistung. Straßen, Brücken sowie Energie- und Wassernetze wurden erheblich beschädigt. Allein rund 20.000 Häuser müssen wohl landesweit neu errichtet werden.
Auch einen Monat nach der verheerenden Flutkatastrophe seien die Menschen hier in Nepal noch immer weit von einem normalen Leben entfernt, sagt Tabea Seiz von der Welthungerhilfe in Kathmandu. Es seien ja nicht nur die Menschen betroffen, die ihr Haus oder Familienmitglieder verloren hätten, sondern auch andere: "Zum Beispiel Frauen, die Kleinunternehmerinnen sind, die vielleicht ihr Haus noch haben, aber das Geschäft ist nicht mehr da. Die ganze Lebensgrundlage ist weg."
Die meisten Menschen in der Region seien in der Landwirtschaft, im Tourismus oder im Kleinhandel tätig. "Und nach den ersten Schätzungen sind insgesamt 5.000 Kleinunternehmen betroffen und zerstört. Das heißt, eine ganze Wirtschaft in der Region ist nicht mehr da", so Seiz.
Zerstörte Häuser im Betrawati Bazaar im nepalesischen Distrikt Rasuwa
Am 26. August war eine gigantische Sturzflut durch das Grenzgebiet zwischen Nepal und der autonomen Region Tibet in China gerauscht. Mehr als 1.400 Menschen starben, 6.000 Menschen werden noch immer vermisst. Besonders schwer wiegen die Folgen für Kinder - viele haben ihre Eltern verloren und sind nun auf sich allein gestellt.