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Gletscherschwund hat Mega-Tsunami in Alaskas ausgelöst
Im August 2025 stürzten mehr als 64 Millionen Kubikmeter Gestein in den Tracy-Arm-Fjord in Alaska. Das Wasser lief auf der Gegenseite bis 481 Meter über den Meeresspiegel hinauf, die zweithöchste je gemessene Auflaufhöhe eines Tsunamis. Eine neue Analyse zeigt, dass der rasche Gletscherrückzug den Hang destabilisierte und Mikrobeben schon Stunden vor dem Kollaps zunahmen.
Calgary (Kanada). In engen Fjorden können Bergstürze Wasser sehr viel höher an Land drücken als gewöhnliche, von Erdbeben ausgelöste Tsunamis. Entscheidend ist dabei nicht nur die Größe des abrutschenden Gesteins, sondern auch die Form des Beckens und die kurze Distanz zwischen Hang und gegenüberliegendem Ufer.
Am 10. August 2025 zeigte sich dieses Risiko im Tracy-Arm-Fjord südlich von Juneau in außergewöhnlichem Ausmaß. Der Hang brach um 5:26 Uhr Ortszeit zusammen, als der Fjord weitgehend leer war. Wenige Stunden später wären dort während der Sommersaison normalerweise mehr als 20 Boote unterwegs gewesen, darunter mehrere große Kreuzfahrtschiffe.
Forscher der University of Calgary (UCalgary) um Dr. Dan Shugar haben das Ereignis nun mit Satellitenbildern, Geländemessungen, Augenzeugenberichten, seismischen Daten und numerischen Modellen rekonstruiert. Die Untersuchung zeigt, wie der Rückzug des South Sawyer Glacier die Felsflanke vor dem Kollaps zunehmend ihrer Stütze beraubte. Einen einzelnen unmittelbaren Auslöser können die Daten dagegen nicht eindeutig bestimmen.
Mindestens 64 Millionen Kubikmeter Fels lösten sich aus einer mehr als einen Kilometer hohen Bergflanke und rasten auf den Gletscher und in den Fjord. Der Aufprall erzeugte zunächst eine brechende Welle von ungefähr 100 Metern Höhe, die sich mit mehr als 70 Metern pro Sekunde bewegte. Die oft genannte Marke von 481 Metern bezeichnet nicht diese wandernde Wellenhöhe, sondern die maximale Auflaufhöhe am gegenüberliegenden Fjordhang.
Dort entfernte das Wasser Bäume, Boden und Lockermaterial bis weit über die heutige Küstenlinie. Noch Dutzende Kilometer vom Bergsturz entfernt hinterließ der Tsunami deutliche Spuren. Dass niemand starb, war vor allem eine Frage des Zeitpunkts, denn der Kollaps ereignete sich vor dem morgendlichen Schiffsverkehr.
„Normalerweise geben diese riesigen Felslawinen in den Wochen, Monaten oder Jahren zuvor eine Art Warnsignal, wenn sich der Hang langsam bergab bewegt. Er sackt ab und bricht dann katastrophal als Felslawine zusammen. In diesem Fall geschah das nicht“, erklärt Dr. Dan Shugar.
Der South Sawyer Glacier ist seit Jahrzehnten geschrumpft, doch unmittelbar vor dem Ereignis beschleunigte sich sein Rückzug. Im Frühjahr und Sommer 2025 wich die Gletscherfront um rund 500 Meter zurück. Erst im Juli wurde der Fuß der später versagenden Felsflanke teilweise freigelegt, ein großer Teil dieser Entlastung erfolgte wenige Tage vor dem Bergsturz.
Die Autoren sehen darin eine entscheidende Vorbedingung des Kollapses. Ihre Attributionsanalyse ergibt für die Region seit Beginn der Industrialisierung eine sommerliche Erwärmung von rund 1,1 Grad Celsius. Die modellgestützte Auswertung führt diese Erwärmung auf den menschlichen Einfluss zurück. Damit verknüpft die Studie den langfristigen Klimatrend mit dem Gletscherschwund, ohne zu behaupten, dass die Erwärmung den Bergsturz zu einem bestimmten Zeitpunkt unmittelbar ausgelöst habe.
Rückblickend fanden die Forscher mehrere Tage vor dem Kollaps kleine seismische Signale aus dem Hang. In den letzten sechs Stunden vor dem Versagen traten sie immer häufiger auf, zeitweise alle 30 bis 60 Sekunden. Etwa zwei Stunden vor dem Bergsturz gingen sie in ein nahezu kontinuierliches Vibrieren über, das als fortschreitendes Gleiten entlang der späteren Bruchfläche gedeutet wird.