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Silikonschaum könnte tiefe Wunden abdichten und Amputationen verhindern
Passgenau statt flach: Ein flüssig eingebrachtes Silikongemisch soll tiefe und unregelmäßige Wundhöhlen vollständig ausfüllen, Wundflüssigkeit aufnehmen und Bakterien hemmen. In Laborversuchen beseitigte der AleSac-Schaum untersuchte multiresistente Erreger und blieb für Fibroblasten zytokompatibel. Klinische Daten am Menschen fehlen allerdings noch.
Kongens Lyngby (Dänemark). Tiefe Wunden sind oft keine glatten Öffnungen, sondern verzweigte Hohlräume mit unregelmäßiger Geometrie. Genau dort können sich Wundflüssigkeit, Zellreste und Bakterien sammeln, während flache Auflagen den Wundgrund nicht überall erreichen. Ein neu entwickelter Silikonschaum soll dieses Problem lösen, indem er zunächst flüssig in die Wunde eingebracht wird und erst dort seine endgültige Form annimmt.
Der Ansatz befindet sich noch im Prototypstadium. Die bislang veröffentlichten Daten stammen aus Laborversuchen und Konferenzbeiträgen. Sie zeigen daher noch nicht, ob der Schaum bei Patienten tatsächlich Infektionen verhindert, die Heilung beschleunigt oder Amputationen vermeiden kann.
Ein Team mit Schwerpunkt an der Technical University of Denmark (DTU) hat den Schaum so formuliert, dass sich die Komponenten direkt bei der Anwendung mischen und in weniger als 20 Minuten aushärten. Das Material basiert auf einem Silikon-Glycerol-System. Die hydrophile Glycerolphase nimmt Flüssigkeit auf, während die vernetzte Silikonmatrix den weichen Schaum stabilisiert und seine Form hält.
Der entscheidende Unterschied zu vielen herkömmlichen Wundauflagen liegt in der Ausgangsform. Das Material wird als Flüssigkeit in die Wundhöhle eingebracht und expandiert dort zu einem weichen Schaum, der auch unregelmäßige Vertiefungen ausfüllen soll. Frühere Versuche mit simulierten Wunden zeigten zudem, dass sich der ausgehärtete Schaum in einem Stück entfernen lässt und dabei aufgenommene Flüssigkeit weitgehend zurückhält.
„Wir haben mit einer einfachen Frage begonnen: Warum behandeln wir tiefe Wunden mit flachen Produkten? Unsere Technologie ist so entwickelt, dass sie sich an die Wunde selbst anpasst und bessere Bedingungen für den Umgang mit komplexen Wunden schafft“, erklärt Prof. Anne Ladegaard Skov von der Technical University of Denmark (DTU).
In einem 2026 veröffentlichten Konferenzabstract prüften die Forscher die antimikrobielle Wirkung gegen klinische Isolate von sieben Bakterienarten. Dazu gehörten unter anderem Escherichia coli, Staphylococcus aureus, Pseudomonas aeruginosa, Klebsiella pneumoniae und Acinetobacter baumannii. Ausgangspunkt waren jeweils 1.000 koloniebildende Einheiten pro Milliliter.
Nach 24 Stunden waren in den untersuchten Verdünnungen keine koloniebildenden Einheiten mehr nachweisbar. Parallel blieben L929-Fibroblasten nach 24 Stunden vollständig vital. Die DTU berichtet außerdem, dass sich eine antibakterielle Wirkung gegen multiresistente Bakterien bereits in weniger als 120 Minuten zeigte. Diese Ergebnisse stammen jedoch aus In-vitro-Tests und erlauben noch keine Aussage über die Wirksamkeit oder Sicherheit in menschlichen Wunden.
Auch beim Flüssigkeitsmanagement schnitt der Schaum im Labor gut ab. Nach fünf Tagen nahm er mehr als 50 Prozent seines Eigengewichts an künstlicher Wundflüssigkeit auf. Die gemessene Aufnahme lag bei 0,47 plus/minus 0,01 Gramm pro Quadratzentimeter und damit in diesem Versuch über der Aufnahme der verglichenen silberhaltigen Wundauflagen.
Entwickelt wurde die Technologie zunächst für chronische Hohlraumwunden. Inzwischen verfolgt AleSac auch eine Anwendung bei akuten, tiefen Verletzungen, etwa nach Explosionen. Der Schaum soll die Wunde abdichten, äußere Verunreinigungen fernhalten und Fremdkörper umschließen, die später zusammen mit dem Material entfernt werden könnten.