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Cannabiskonsum hängt bei Jugendlichen mit langsamerer Gedächtnisentwicklung zusammen
Jugendliche, die mit Cannabis beginnen, verbessern sich bei Gedächtnis, Aufmerksamkeit und anderen geistigen Leistungen langsamer als Gleichaltrige ohne Konsum. Das zeigt eine große US-Langzeitstudie mit mehr als 11.000 Teilnehmern. Besonders das berauschende THC war in einer kleineren Teilgruppe mit einer ungünstigeren Entwicklung des episodischen Gedächtnisses verbunden.
La Jolla (U.S.A.). Das Jugendalter ist eine Phase intensiver Gehirn- und Denkentwicklung. In dieser Umbauphase des Teenagergehirns entwickeln sich unter anderem Gedächtnis, Selbstkontrolle und komplexe Denkfähigkeiten weiter. Ob Cannabiskonsum diesen Verlauf beeinflusst, ist jedoch schwer zu untersuchen, weil Jugendliche mit späterem Konsum sich schon vorher von anderen unterscheiden können.
Frühere Studien zum Zusammenhang zwischen Cannabis und geistiger Leistungsfähigkeit bei Jugendlichen lieferten teils widersprüchliche Ergebnisse. Viele Arbeiten stützten sich ausschließlich auf Selbstauskünfte oder verglichen Gruppen nur zu einzelnen Zeitpunkten. Dadurch bleibt oft unklar, ob Unterschiede schon vor dem ersten Konsum bestanden oder sich erst danach entwickelten.
Forscher der University of California San Diego (UC San Diego) um Natasha E. Wade haben deshalb die geistige Entwicklung von bis zu 11.036 Teilnehmern der Adolescent Brain Cognitive Development Study über mehrere Jahre ausgewertet. Die Kinder waren zu Beginn neun oder zehn Jahre alt und wurden bis ins Alter von 16 oder 17 Jahren wiederholt untersucht.
Den Beginn des Cannabiskonsums erfasste das Team über Befragungen und toxikologische Tests, darunter Haar-, Urin- und Speichelproben. Selbstauskünfte identifizierten 67 Prozent der Jugendlichen mit Konsum, Haartests 22 Prozent und Urintests 21 Prozent. Die Anteile überschnitten sich, weil mehrere Methoden dieselben Teilnehmer erfassen konnten.
Für die kognitiven Tests untersuchten die Forscher unter anderem Arbeitsgedächtnis, episodisches Gedächtnis, Verarbeitungsgeschwindigkeit, Hemmkontrolle, räumliche Verarbeitung und Sprache. In den statistischen Modellen berücksichtigten sie zahlreiche mögliche Störfaktoren, darunter soziale Merkmale, familiäre Suchtbelastung, vorgeburtliche Substanzexposition, frühe psychische Auffälligkeiten und den Konsum anderer Substanzen.
Im späten Kindesalter schnitten Jugendliche, die später Cannabis nutzten, bei vielen Aufgaben zunächst etwas besser ab. Mit zunehmendem Alter flachten ihre Leistungskurven jedoch ab, während sich die Vergleichsgruppe weiter verbesserte. Im Alter von 15 bis 17 Jahren lagen die Werte der Cannabisgruppe in den meisten untersuchten Bereichen niedriger.
„Die Adoleszenz ist eine entscheidende Zeit für die Gehirnentwicklung, und wir sehen, dass Jugendliche, die mit Cannabiskonsum beginnen, sich nicht im gleichen Tempo verbessern wie Gleichaltrige. Diese Unterschiede mögen zunächst klein erscheinen, doch sie können sich summieren und sich auf Lernen, Gedächtnis und die alltägliche Funktionsfähigkeit auswirken“, erklärt Natasha E. Wade.
Die meisten Unterschiede fielen klein aus. Für das episodische Gedächtnis berichtete das Team einen mittleren und für das Arbeitsgedächtnis einen großen Effekt der unterschiedlichen Altersverläufe. Die Studie misst damit Entwicklungsunterschiede über die Zeit und keinen unmittelbaren Rausch- oder Akuteffekt.
Für eine zweite Analyse standen wiederholte Haarproben von 645 Jugendlichen zwischen zwölf und 16 Jahren zur Verfügung. Bei 81 von ihnen wurde THC nachgewiesen, bei 21 CBD, wobei 13 der CBD-positiven Jugendlichen zugleich THC im Haar hatten. Diese Teilanalyse erfasste damit wesentlich weniger Teilnehmer als die Hauptanalyse.