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Shida Bazyar erhält den Deutschen Buchpreis
Shida Bazyar hat den Deutschen Buchpreis erhalten. Die 1988 in Rheinland-Pfalz geborene Autorin wurde für ihren Roman »Die Lücken« ausgezeichnet. Er ist im September beim Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen.
»Die Lücken« handelt von einem fiktiven Ort im Hunsrück. Bazyar spürt 90 Jahren deutscher Geschichte nach. Es geht um Menschen, die das Dorf im Laufe der Zeit geprägt haben – jüdische Familien, NS-Profiteure, iranische Flüchtlingsfamilien. Es sei ein Roman, der mit seinem transnationalen Blick die Grenzen des Heimatromans auslotet und ihn neu definiert, so die Buchpreisjury.
In ihrer Dankesrede sprach sie von »einem merkwürdigen Gefühl«, für einen Roman ausgezeichnet zu werden, der von Menschen handelt, die verfolgt, terrorisiert und ermordet wurden. Es komme ihr nicht ganz richtig vor, sich darüber uneingeschränkt zu freuen. Bazyar zitierte Heinz Kahn, einen 66 Jahre vor ihr in ihrem Geburtsort Hermeskeil geborenen jüdischen Tierarzt, der über eine Ehrenbürgerschaft sagte, sie bedeute ihm nichts: »Mein Vater hat auch eine Menge Orden bekommen und wurde doch vergast.«
Shida Bazyar wies in ihrer Rede darauf hin, dass heute die Zahl der antisemitischen Straftaten auf dem Höchststand sei, wie die der rassistischen auch. Es gebe »im Moment keine Minderheit, die nicht Grund zur Sorge hat.« Die Autorin, deren Eltern aus dem Iran nach Deutschland gekommen sind, zitierte Hannah Arendt über 1933: »Das Problem, das persönliche Problem war doch nicht etwa, was unsere Feinde taten, sondern was unsere Freunde taten.« Bazyar ergänzte: »Das lasse ich jetzt so stehen.«
Die Jury lobte auch die literarischen Strategien, die Bazyar in »Die Lücken« angewendet habe: »Der Blick einer toten Erzählerin und die kaleidoskopische Struktur des Textes ermöglichen es, zwischen den Zeiten zu springen sowie Nähe und Distanz zu erzeugen«, wurde gelobt, wie auch die Verbindung von fiktiven und dokumentarischen Elementen. Es sei »ein Roman gegen Gleichgültigkeit«. Lesen Sie hier ein Porträt der Autorin.
»Die Lücken« ist der dritte Roman von Shida Bazyar. Ihr Debüt, das 2016 erschienene »Nachts ist es leise in Teheran«, fand in diesem Jahr auch international Anerkennung: Das Buch war im Mai für seine Übersetzung ins Englische auf die Nominierungsliste des International Booker Prize gesetzt worden.
Der Deutsche Buchpreis gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen der Branche und wird traditionell am Tag vor der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse vergeben. Insgesamt ist der Buchpreis mit 37.500 Euro dotiert: Der Sieger erhält 25.000 Euro, die übrigen Autoren der Shortlist jeweils 2500 Euro. Dies waren Franziska Gänsler mit »Orca«, Valeria Gordeev mit »Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle«, Elias Hirschl mit »Schleifen«, Peggy Mädler mit »Selbstregulierung des Herzens« und Dana Vowinckel mit »Anton und Alma«.
Insgesamt hatte die Jury 205 Titel gesichtet, die zwischen Herbst 2025 und Anfang September 2026 erschienen sind. Zunächst wurden 20 Bücher für die Longlist ausgewählt, diese wurde dann auf die sechs Titel umfassende Shortlist gekürzt. Im vergangenen Jahr gewann Dorothee Elmiger mit ihrem Roman »Die Holländerinnen «.