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Seltener Insektenfund zeigt neue Art aus der Zeit der Dinosaurier
Ein winziges Insekt, das vor rund 99 Millionen Jahren im heutigen Myanmar in Baumharz geriet, besaß ein außergewöhnlich langes Mundwerkzeug. Fossilien und Mikro-CT-Scans zeigen, dass feine Querfalten den Rüssel offenbar biegsam machten, ohne ihn einknicken zu lassen. Damit könnten die Tiere tief in Rindenspalten vorgedrungen sein, um Pflanzensäfte zu erreichen.
Tel Aviv (Israel). Heutige Pflanzenzikaden saugen nährstoffreiche Flüssigkeiten aus Pflanzen, indem feine Stechborsten das Gewebe durchdringen. Ein äußeres Mundwerkzeug, das Labium, führt und schützt diese Stechborsten. Bei ausgestorbenen Verwandten aus der Kreidezeit nahm dieses Prinzip jedoch extreme Formen an: Ihr Labium konnte länger als der ganze Körper werden und war an seinem letzten Abschnitt dicht gefaltet.
Forscher der Tel Aviv University (TAU) um Dr. Leonidas-Romanos Davranoglou haben nun untersucht, wie diese ungewöhnliche Konstruktion funktionierte. Analysiert wurden 13 Fossilien aus rund 99 Millionen Jahre altem Kachin-Bernstein aus Myanmar sowie ein heutiges Vergleichsexemplar. Mit hochauflösender Mikroskopie und Synchrotron-Mikro-Computertomografie rekonstruierten die Wissenschaftler die äußere und innere Struktur der Mundwerkzeuge.
Unter den Fossilien befand sich auch eine bisher unbekannte Art, die das Team Cretodorus noonoo nannte. Der erwachsene Holotyp ist 8,7 Millimeter lang. Allein der erhaltene dritte Abschnitt seines Labiums misst 9,6 Millimeter, hinzu kommen zwei kürzere Abschnitte. Bei anderen untersuchten Tieren der Gruppe übertraf das vollständige Labium sogar die doppelte Körperlänge.
Die Mikro-CT-Daten zeigen, dass die Querfalten keine bloße Oberflächenverzierung waren. Sie bilden echte, wellenförmige Faltungen der Kutikula, also der harten Außenhaut des Insekts. Diese Struktur bedeckt vor allem die Unterseite und die Seiten des langen Labiumabschnitts, während die Oberseite glatt bleibt und eine tiefe Rinne für die eigentlichen Stechborsten trägt.
Nach der mechanischen Interpretation des Teams verteilten die Falten die Belastung beim Biegen über viele kleine Abschnitte. Dadurch konnte sich die lange Röhre krümmen, ohne an einer Stelle stark abzuknicken oder zusammenzufallen. Dass mehrere Fossilien das Labium in gebogener Stellung konservieren, spricht zusätzlich dafür, dass es schon zu Lebzeiten flexibel war.
Die asymmetrische Bauweise dürfte die Bewegungsrichtung mitbestimmt haben. Der abgeflachte Querschnitt und die glatte Oberseite machten das Labium seitlich vergleichsweise steif, während die gefalteten Flächen eine stärkere Biegung nach oben und unten erlaubten. Ein gelenkartiger Übergang zwischen dem zweiten und dritten Abschnitt könnte die Beweglichkeit weiter erhöht haben.
Am Ende des Labiums fanden die Forscher eine weitere Besonderheit. Zwei gerillte Lappen könnten sich beim Vorschieben der Stechborsten seitlich geöffnet haben. Die Autoren deuten diese Struktur als mögliche Verankerung, die das Mundwerkzeug in einer engen Spalte stabilisierte, ähnlich einem Spreizdübel in einem Bohrloch.
Damit ergibt sich ein mögliches Bild der Ernährung. Die Tiere könnten ihr langes Labium durch schmale Risse in Baumrinde geführt und die Stechborsten anschließend bis zu tiefer liegenden Leitgeweben vorgeschoben haben. Für eine Ernährung an Blütennektar sehen die Forscher dagegen wenig Hinweise, denn das Mundwerkzeug war nach hinten gerichtet und an den zahlreichen Fossilien fanden sich keine überzeugenden Pollenansammlungen.
„Die Entdeckung von ‚Noo-Noo‘, einer neuen Art von vor rund 99 Millionen Jahren, gewährt uns einen außergewöhnlichen Einblick in die Insektenwelt der Dinosaurierzeit“, erklärt Dr. Leonidas-Romanos Davranoglou.