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160 Millionen Jahre altes „Tintenfisch“-Fossil fällt völlig aus der Reihe
Belemniten hinterließen gewöhnlich schlanke, geschossförmige Fossilien. Zwei etwa 160 Millionen Jahre alte Funde aus Wyoming sind dagegen außergewöhnlich breit. Untersuchungen ihres inneren Aufbaus zeigen, dass die neue Art Wyoteuthis linsterorum zu einer Familie gehört, deren wichtigste Linien bereits Millionen Jahre zuvor verschwunden waren.
Manchester (England). Belemniten waren Kopffüßer, die ähnlich wie heutige Kalmare im Meer lebten. Von ihnen blieb häufig ein massiver, kalkiger Teil des inneren Skeletts erhalten, das sogenannte Rostrum. Meist hat dieses Fossil eine langgestreckte, geschossförmige Gestalt.
Solche Überreste sind auch in der Sundance-Formation im US-Bundesstaat Wyoming häufig. Dort lag während der Jurazeit ein Binnenmeer, das mit dem Pazifik verbunden war. Umso auffälliger sind zwei seltene Stücke, deren ungewöhnlich gedrungene Form eine neue Belemnitenart erkennen lässt.
Forscher der University of Manchester (UoM) um Dr. Dean R. Lomax haben die Fossilien von Wyoteuthis linsterorum mit bekannten Belemnitengruppen verglichen. Ihr Ziel war es, die Art anhand äußerer und innerer Merkmale einzuordnen und daraus Rückschlüsse auf die Geschichte ihrer Verwandtschaft zu ziehen.
Die erhaltenen Rostren sind jeweils ungefähr zehn Zentimeter lang, erreichen vorne jedoch einen Durchmesser von rund sechs bis sieben Zentimetern. Bei den häufigen Belemniten derselben Fundregion sind vergleichbar lange Stücke gewöhnlich nur ein bis zwei Zentimeter dick. Die ungewöhnlichen Fossilien wirken deshalb eher fassförmig als geschossförmig.
Das erste Stück hatte der Paläontologe Burkhard Pohl bereits Ende der 1990er Jahre entdeckt. Es blieb lange in einer Sammlung liegen, bis der Fossiliensammler Cliff Linster ein zweites Exemplar fand und es 2019 dem Wyoming Dinosaur Center übergab. Erst der Vergleich beider Stücke ermöglichte die formale Beschreibung der neuen Art.
„Stach sofort ins Auge“, erklärte William R. Wahl vom Wyoming Dinosaurium Project.
Mittels Computertomografie konnten die Wissenschaftler den inneren Aufbau der seltenen Rostren untersuchen, ohne sie zu beschädigen. Entscheidend waren dabei unter anderem die Lage und Form der inneren Höhlung sowie feine Strukturen an der Spitze. Zusammen sprechen diese Merkmale für eine Zugehörigkeit zur Belemnitenfamilie Megateuthididae.
Diese Familie hatte ihre Blütezeit im frühen und mittleren Jura, ihre meisten Entwicklungslinien verschwanden jedoch schon vor der Ablagerung der beiden Fossilien. Wyoteuthis ist deshalb ein später Überlebender dieser Verwandtschaft. Die Funde deuten darauf hin, dass im nordöstlichen Pazifik eine bislang unerkannte Rückzugsregion für einen Zweig dieser Familie existierte.
Die Zuordnung bedeutet nicht, dass die gesamte Familie damals bereits vollständig ausgestorben war. Auch aus anderen jüngeren Gesteinsschichten sind vereinzelte späte Vertreter bekannt. Der neue Fund erweitert jedoch das Bild, wo und in welchen Formen solche Linien überdauerten.