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Hellraiser: Revival – Pinhead verdient ein besseres Game
Nach fünf Stunden hatte ich keinen Bock mehr: Viel Tabubruch, viel Blut, aber erschreckend wenig, das spielerisch hängen bleibt.
Ich war 1988 innerhalb einer einzigen Woche gleich dreimal im Kino, weil ich von Hellraiser nicht genug bekommen konnte. Clive Barkers sympathische Cenobiten hatten mein Herz im Sturm erobert – so sehr, dass ich mir sogar eine detailreiche Pinhead-Statue zum Selbstanmalen kaufte. Die verschwand allerdings wenig später in der hintersten Ecke meines Schranks, als mir dämmerte, dass morbide Plastikdevotionalien das andere Geschlecht eher verstören als begeistern. Hellbound: Hellraiser II gefiel mir ebenfalls prächtig, so gut sogar, dass ich eigens nach Holland fuhr, um mir die ungeschnittene Fassung zu besorgen. Danach begann der lange Abstieg der Reihe.
Das 2001 gegründete Entwickler- und Publishing-Unternehmen mit Hauptsitz in Fort Lauderdale umfasst aktuell 13 Studios in Nord- und Südamerika sowie Europa. Bekannt ist Saber unter anderem für World War Z, SnowRunner und Warhammer 40,000: Space Marine 2. Außerdem arbeitet das Unternehmen derzeit am Remake von Star Wars: Knights of the Old Republic.
Auch wenn das Franchise seine besten Zeiten längst hinter sich hat, war ich auf Hellraiser: Revival ziemlich gespannt. Schon deshalb, weil Doug Bradley endlich wieder als Pinhead dabei ist – der Mann also, der der Figur über Jahre Gesicht und Stimme gab, bevor er sich aus der zunehmend unterirdischen Filmreihe verabschiedete. Saber Interactive wiederum betonte im Vorfeld immer wieder, man wolle der Vorlage gerecht werden und keinerlei Kompromisse eingehen.
Für zusätzlichen Gesprächsstoff sorgte das Gerangel um die USK-Freigabe, begleitet von Diskussionen über Jugendschutz und besorgten Blicken in Richtung Index. Mittlerweile ist das Spiel aber ganz offiziell auch hierzulande erhältlich.
Dass sich der Titel ausschließlich an ein erwachsenes Publikum richtet, wird schon nach wenigen Sekunden deutlich. Spritzende Körperflüssigkeiten, entblößte Eingeweide, reichlich nackte Haut und Nippeldurchbohrungen sorgen für eine gemütliche Grundstimmung. Hellraiser: Revival hält sich von der ersten Minute an nicht zurück und knallt euch den Exzess völlig ungefiltert vor die Augen.
Damit habe ich als alter Fan grundsätzlich kein Problem. Hellraiser war immer dann am stärksten, wenn Lust und Schmerz auf denkbar unangenehme Weise ineinandergriffen. Bei Hellraiser: Revival hatte ich allerdings schon früh das Gefühl, dass die drastischen Bilder zunehmend zum Selbstzweck werden. Mitunter wirkt es fast so, als habe das Entwicklerteam vor allem versucht, möglichst viele Grenzüberschreitungen unterzubringen – und damit zu kaschieren, dass darunter spielerisch nur ein ziemlich mittelmäßiger Titel steckt.
Anfangs funktioniert dieser Holzhammer-Ansatz erstaunlich gut. Hellraiser: Revival wirft euch in eine albtraumhafte Welt, in der praktisch alles unangenehm, verstörend oder komplett abartig wirken soll. Einige Kulissen und Panoramen treffen den düsteren Ton der Filmvorlage präzise. In den ersten Minuten war ich deshalb positiv überrascht und wollte wissen, welche abscheuliche Grausamkeit das Spiel als Nächstes aus dem Hut zaubert.
Nur hat reiner Shockvalue eine verdammt kurze Halbwertszeit. Man kann Spieler nicht zehn Stunden lang mit verstümmelten Leibern und SM-Ästhetik bei Laune halten. Irgendwann muss das Gameplay liefern. Und genau das schafft Hellraiser: Revival nicht.
Denn schiebt man den audiovisuellen Exzess beiseite und schaut nur darauf, wie sich das Ganze tatsächlich spielt, bleibt erschreckend wenig Substanz übrig. Das Kampfsystem ist unbefriedigend und hat kaum Bumms, die Gegner stellen sich saudumm an, beim Schleichen muss man dem HUD mehr vertrauen als der Spielwelt, die Bosskämpfe bleiben unspannend und einige Mechaniken wiederholen sich zu oft.