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Langfristiger Cannabiskonsum scheint den Schlaf unbemerkt zu stören
Schlafen mit Cannabis: Manche Menschen nutzen die Droge, um leichter zur Ruhe zu kommen. Doch eine Langzeitstudie findet bei Konsumenten mehr nächtliche Wachphasen und einen unruhigeren Schlaf, obwohl sie selbst keine Verschlechterung wahrnehmen. Das Ergebnis beruht auf Beobachtungsdaten und belegt noch keine ursächliche Wirkung.
Chicago (U.S.A.). Wer nach einer unruhigen Nacht müde aufsteht, merkt meist selbst, dass sein Schlaf zu kurz oder schlecht war. Doch nicht jede nächtliche Störung fällt auf. Gerade bei Cannabis klaffen die Wahrnehmung des eigenen Schlafs und das, was Messgeräte aufzeichnen, möglicherweise auseinander.
Cannabis kann kurzfristig schläfrig machen und wird deshalb von vielen Menschen als Einschlafhilfe eingesetzt. Ob ein regelmäßiger Konsum langfristig tatsächlich erholsamere Nächte ermöglicht, ist jedoch umstritten. Bisherige Untersuchungen betrachteten oft nur kurze Zeiträume oder stützten sich auf die Einschätzung der Teilnehmer.
Forscher der Northwestern University um Dr. Thanh-Huyen T. Vu haben nun ausgewertet, wie Cannabisgebrauch über Jahrzehnte mit dem Schlaf im mittleren Lebensalter zusammenhängt. Sie nutzten Daten der US-amerikanischen CARDIA-Langzeitstudie, die Erwachsene seit 1985/1986 wiederholt nach ihrem Konsum befragt. Für die neue Analyse standen Angaben von 1.266 Personen zur Verfügung.
Bei 891 Teilnehmern erfassten Sensoren am Handgelenk sieben Tage lang die Schlafdauer, nächtliche Bewegungsunruhe und Wachzeiten. Durchschnittlich waren diese Personen knapp 61 Jahre alt. Weitere 1.128 Teilnehmer beantworteten einen Fragebogen zu ihrer subjektiven Schlafqualität. Beide Auswertungen überschneiden sich, bilden aber nicht genau dieselbe Personengruppe ab.
Die Forscher unterschieden zwischen Konsumenten der vergangenen 30 Tage, früheren Konsumenten und Personen, die nie Cannabis genutzt hatten. Sie berücksichtigten zudem mögliche Einflussfaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum, körperliche Aktivität, Depressionen und andere Erkrankungen. Untersucht wurde nichtmedizinischer Cannabiskonsum.
Bei Personen mit Cannabisgebrauch innerhalb der letzten 30 Tage registrierten die Geräte im Schnitt gut elf zusätzliche Wachminuten nach dem ersten Einschlafen. Zugleich verbrachten sie 1,74 Prozentpunkte weniger ihrer Schlafperiode tatsächlich schlafend als Personen, die nie Cannabis konsumiert hatten. Die Messungen zeigten außerdem eine stärkere Fragmentierung, also mehr Unruhe und Unterbrechungen.
Eine scheinbar widersprüchliche Beobachtung: Die aktuell Konsumierenden schliefen nach statistischer Anpassung zugleich im Durchschnitt rund 20 Minuten länger. Mehr Schlafzeit bedeutete in diesen Daten also keineswegs durchgehend ruhigen Schlaf. Frühere Konsumenten unterschieden sich bei diesem direkten Vergleich dagegen nicht signifikant von den Menschen ohne Konsumerfahrung.
Über den gesamten Untersuchungszeitraum berechnete das Team sogenannte Cannabisjahre. Eines entspricht 365 Tagen mit Cannabiskonsum, verteilt über den Beobachtungszeitraum. Mit jedem zusätzlichen Cannabisjahr sank der gemessene Schlafanteil im statistischen Modell um 0,18 Prozentpunkte. Die nächtliche Wachzeit nahm gleichzeitig um durchschnittlich 0,85 Minuten zu.
Diese Werte beschreiben statistische Zusammenhänge unter den Teilnehmern mit Messdaten und keine sichere Veränderung bei jedem einzelnen Menschen. Einige der Zusammenhänge blieben auch in einer gesonderten Analyse ohne aktuell konsumierende Teilnehmer erkennbar.