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Mentale Buchführung: Das Gehirn bewertet Geld nicht immer gleich
Ob fünf Euro Ersparnis attraktiv erscheinen, hängt oft auch vom ursprünglichen Kaufpreis ab. Eine internationale Untersuchung mit 5.589 Erwachsenen zeigt nun, dass sich solche Denkgewohnheiten in sehr unterschiedlichen Ländern finden. Die Effekte erwiesen sich als beständig, fielen aber schwächer aus als in früheren Untersuchungen.
Padua (Italien). Geld ist grundsätzlich austauschbar. Wer fünf Euro spart, besitzt unabhängig vom Preis des gekauften Produkts denselben Betrag mehr. Im Alltag behandeln Menschen solche Summen trotzdem häufig nicht gleich, sondern ordnen Ausgaben und Einnahmen gedanklich bestimmten Zwecken zu.
So kann eine Steuerrückzahlung wie zusätzlich verfügbares Geld wirken, während dieselbe Summe aus dem Gehalt bereits für die Miete vorgesehen ist. Die Verhaltensökonomie bezeichnet dieses Phänomen als mentale Buchführung, auf Englisch „Mental Accounting“. Das Konzept wurde in den 1980er-Jahren entwickelt, als die Belege vor allem aus kleineren US-amerikanischen Stichproben stammten.
Seitdem haben Kartenzahlungen, Onlinebanking und automatische Überweisungen den Umgang mit Geld verändert. Forscher der Università degli Studi di Padova um Enrico Rubaltelli haben deshalb geprüft, ob die bekannten Muster weiterhin auftreten und auch außerhalb westlicher Wohlstandsgesellschaften zu beobachten sind. Ihr internationales Team befragte dafür 5.589 Erwachsene aus 21 Ländern, darunter Deutschland, Brasilien, China und Vietnam.
„Angesichts der großen Veränderungen dabei, wie wir Geld erhalten und ausgeben, insbesondere durch die Verbreitung automatisierter digitaler Zahlungen, war eine große, belastbare Studie zur mentalen Buchführung nicht nur angemessen, sondern notwendig“, sagt Kai Ruggeri von der Columbia University Mailman School of Public Health.
Die Teilnehmer beantworteten 2022 online sieben Gruppen von Fragen zu hypothetischen Geldentscheidungen. Die Forscher übersetzten die Szenarien in die jeweiligen Landessprachen und passten die Geldbeträge an die wirtschaftlichen Verhältnisse vor Ort an. So wollten sie vergleichbare Entscheidungen untersuchen, ohne bloße Unterschiede zwischen Währungen zu messen.
In einem Szenario sollten die Teilnehmer entscheiden, ob sich eine zusätzliche Fahrt von 20 Minuten lohnt, um fünf Dollar beim Kauf eines Lautsprechers zu sparen. Kostete dieser ursprünglich 15 Dollar, erschien der Rabatt eher attraktiv als bei einem Preis von 125 Dollar, obwohl die Ersparnis und die Fahrtzeit gleich blieben. Der Preis einer gleichzeitig angebotenen Jacke wurde angepasst, sodass auch die Gesamtausgabe unverändert war.
Ein anderes Szenario verglich den Verlust einer bereits bezahlten Eintrittskarte mit dem Verlust derselben Summe Bargeld. Nach dem verlorenen Ticket wollten weniger Befragte erneut Eintritt zahlen, obwohl der finanzielle Schaden in beiden Fällen gleich groß war. Die Veranstaltung schien das dafür vorgesehene gedankliche Ausgabenkonto bereits belastet zu haben.
„Unser Projekt zeigt auch, wie wichtig die internationale Zusammenarbeit in den Verhaltenswissenschaften ist. Die Forschungsteams in den verschiedenen Ländern haben dazu beigetragen, dass die Szenarien sprachlich präzise, kulturell angemessen und wirtschaftlich realistisch waren. Eine Studie dieses Umfangs war nur dank des Fachwissens, der Zeit und der Kenntnis der lokalen Gegebenheiten möglich, die Kollegen aus vielen Ländern eingebracht haben“, sagt Martina Vacondio von der Università di Trento.
In der gemeinsamen statistischen Auswertung aller Länder ließen sich sämtliche sieben untersuchten Effekte in der erwarteten Richtung nachweisen. Bei der getrennten Betrachtung nach Land und Szenario bestätigten die Forscher 133 von 147 Effekten, entsprechend 90,5 Prozent. Diese Zahl bezeichnet den Anteil erfolgreicher statistischer Vergleiche, nicht den Anteil der Menschen, die sich entsprechend verhielten.