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Darmbakterien können Nebenwirkungen der Chemotherapie vorhersagen
Ob nach einer Chemotherapie Durchfall auftritt, könnte auch mit den Darmbakterien zusammenhängen. Bei Krebspatienten unter dem Wirkstoff 5-Fluorouracil waren bestimmte bakterielle Gene vor Therapiebeginn seltener nachweisbar, wenn die Betroffenen später Durchfall entwickelten. Die Befunde eröffnen möglicherweise neue Wege, individuelle Nebenwirkungsrisiken zu erkennen, müssen aber erst unabhängig bestätigt werden.
Rochester (U.S.A.). Krebsmedikamente greifen Tumorzellen an, können aber zugleich gesundes Gewebe schädigen. Welche Patienten ausgeprägte Nebenwirkungen entwickeln, lässt sich vor Beginn einer Therapie oft schwer abschätzen. Dabei könnte die Darmflora eine bislang unterschätzte Rolle spielen, weil Mikroorganismen auch bestimmte Arzneistoffe verstoffwechseln können.
Forscher der Mayo Clinic um Prof. Jun Chen haben nun Stuhlproben von 1.364 Krebspatienten und 287 krebsfreien Kontrollpersonen untersucht. Die Patienten wurden an Klinikstandorten in Arizona, Florida und Minnesota aufgenommen und kamen aus insgesamt 40 US-Bundesstaaten. Ihre Proben stammten aus der Zeit vor dem Beginn eines neuen Behandlungsregimes. Das Team verknüpfte die Zusammensetzung der Darmflora mit Diagnosen, Begleiterkrankungen und späteren Therapieergebnissen.
Besonders auffällig war der Zusammenhang beim Chemotherapeutikum 5-Fluorouracil (5-FU), das bei verschiedenen Krebsarten eingesetzt wird. Patienten, die während dieser Behandlung Durchfall entwickelten, besaßen bereits vor Therapiebeginn geringere Mengen bestimmter bakterieller Gene. Diese enthalten die Bauanleitung für Enzyme, die 5-FU abbauen können. Einen großen Anteil an dieser möglichen Abbauleistung hatte das verbreitete Darmbakterium Anaerostipes hadrus.
Bei Patienten, die das andere Chemotherapeutikum Carboplatin erhielten, fanden die Wissenschaftler keine entsprechende Verbindung zwischen diesen Genen und späterem Durchfall. Das spricht dafür, dass der beobachtete Zusammenhang mit dem jeweiligen Medikament zu tun haben könnte, statt lediglich eine allgemeine Anfälligkeit für Verdauungsbeschwerden anzuzeigen.
Die Entdeckung liefert zunächst nur einen statistischen Hinweis. Ob die Bakterien den Wirkstoff im Darm tatsächlich in einem Ausmaß abbauen, das die Beschwerden beeinflusst, muss noch genauer geprüft werden. Auch ein verlässlicher Test zur individuellen Vorhersage von Nebenwirkungen liegt damit noch nicht vor.
Die Untersuchung lieferte außerdem ein genaueres Bild davon, wie sich die Darmflora bei unterschiedlichen Tumorarten verändert. Nach Berücksichtigung weiterer Erkrankungen und persönlicher Merkmale identifizierte das Team 341 Bakterienarten, deren Häufigkeit mit fünf Krebsgruppen zusammenhing. Dazu zählten neuroendokrine Tumoren, Leber- und Gallengangskrebs, Speiseröhrenkrebs, lymphatische Leukämien sowie das multiple Myelom und verwandte Plasmazellerkrankungen.
Ein Teil der zunächst ähnlichen Mikrobiomveränderungen bei verschiedenen Krebsarten ließ sich auf Begleiterkrankungen zurückführen. Solche Einflüsse können den Eindruck erzeugen, dass bestimmte Bakterien für mehrere Tumorarten typisch sind, obwohl ihr Vorkommen auch andere Ursachen haben kann.
„Wir können die Suche jetzt auf jene Veränderungen der Mikroben eingrenzen, die besonders spezifisch für einzelne Krebsarten sind“, erklärt Dr. Ruben A. T. Mars von der Mayo Clinic.
Auch das Erkrankungsalter ging bei einzelnen Krebsarten mit charakteristischen Mustern einher. Bei Darmkrebspatienten bis einschließlich 50 Jahre fanden die Forscher mehr Milchsäure und häufiger das Bakterium Veillonella parvula als bei älteren Patienten. Der Keim kann Milchsäure als Nährstoff nutzen. Ob diese Beziehung zur Entstehung von Darmkrebs in jüngeren Jahren beiträgt, ist bislang offen.