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Raspberry Pi Foundation: Erst denken, dann prompten
Die Raspberry Pi Foundation hat gemeinsam mit Google DeepMind neue Unterrichtsmaterialien entwickelt, die Jugendlichen einen reflektierten Umgang mit großen Sprachmodellen (LLMs) vermitteln sollen. Unter dem Motto „Think first, prompt second“ geht es dabei nicht darum, möglichst schnell die richtigen Antworten aus einem Chatbot herauszukitze, sondern KI so einzusetzen, dass der eigene Lernprozess unterstützt und nicht ersetzt wird.
Hintergrund sind zunehmende Bedenken über die Auswirkungen generativer KI auf die Entwicklung kognitiver Fähigkeiten. Laut einer von der Stiftung Pew Research Center durchgeführten Studie nutzen in den USA und Großbritannien bereits mehr als die Hälfte der Jugendlichen KI-Werkzeuge für Hausaufgaben. Jeder Zehnte lässt demnach den Großteil oder sogar sämtliche Aufgaben von Chatbots erledigen. Dass das mit Lernen nichts zu tun hat, sollte jedem klar sein.
Das neue Unterrichtsmodul »Using LLMs strategically for learning« ist laut dem Blog der Raspberry Pi Foundation Teil der Bildungsinitiative experience-ai.org und richtet sich an Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren. In fünf Lektionen sollen sie lernen, wie Sprachmodelle funktionieren, wo ihre Grenzen liegen und wie sich ihre Antworten kritisch bewerten lassen.
Ein Schwerpunkt liegt auf dem sogenannten Cognitive Offloading, der Auslagerung geistiger Arbeit an technische Hilfsmittel. Wer sich Aufgaben regelmäßig von einer KI lösen lässt, läuft Gefahr, wichtige Fähigkeiten wie Problemlösung, kritisches Denken und Kreativität nicht ausreichend zu trainieren oder zu verlieren. Die Foundation will deshalb vermitteln, wie sich LLMs nutzen lassen, ohne die eigene Denkarbeit aufzugeben.
Dazu unterscheiden die Unterrichtsmaterialien drei Arten von Rückmeldungen: Telling liefert unmittelbar eine Antwort, Guiding unterstützt mit Hinweisen und Challenging fordert durch gezielte Gegenfragen zum Weiterdenken auf. Da Sprachmodelle standardmäßig häufig fertige Antworten liefern, lernen die Jugendlichen Prompting-Techniken kennen, mit denen sie stattdessen Hinweise und Denkanstöße anfordern können.
Ein weiterer Bestandteil des Unterrichts beschäftigt sich mit der Herkunft und Qualität der Trainingsdaten. Die Jugendlichen sollen erkennen, dass Sprachmodelle keine grundsätzlich verlässlichen Wissensquellen sind. Anhand von Inhalten aus sozialen Netzwerken wie Reddit und Facebook diskutieren sie, wie zuverlässig solche Informationen sind.
Die Raspberry Pi Foundation spricht sich damit ausdrücklich nicht gegen den Einsatz von KI im Unterricht aus. Vielmehr soll sie als Werkzeug dienen, das eigenständiges Denken fördert, anstatt es überflüssig erscheinen zu lassen. Die derzeitige Phase des unreflektierten Konsums von KI muss nicht nur im Bildungsbereich von einer reflektierteren Nutzung abgelöst werden, die langfristig verfügbares Wissen aufbaut und die kognitiven Fähigkeiten schult. Ansonsten wird das Bildungssystem über kurz oder lang ad absurdum geführt.