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Starke Langeweile kann aggressive Reaktionen verstärken
Wer sich stark langweilt, könnte eher zu aggressiven Reaktionen neigen. In drei Untersuchungen mit Versuchspersonen aus China, Vietnam und den USA zeigte sich dieser Zusammenhang sowohl in Befragungen als auch in zwei Experimenten. Nach eintönigen Videos schlugen Teilnehmer stärker auf einen Sandsack ein oder befürworteten häufiger militärische Gewalt in fiktiven Szenarien, was mit einem gesteigerten Bedürfnis nach aufregenden Reizen zusammenhängen könnte.
Chongqing (China). Langeweile ist ein unangenehmer Zustand, bei dem Menschen ihre augenblickliche Tätigkeit als wenig anregend oder sinnlos empfinden. Häufig wächst dadurch der Wunsch nach Abwechslung. Ob jemand in dieser Situation zu etwas Kreativem greift oder eine riskantere Beschäftigung sucht, hängt allerdings von weiteren Einflüssen ab.
Frühere Untersuchungen haben Langeweile bereits mit sadistischen Handlungen in Verbindung gebracht, bei denen das Leiden anderer als angenehm erlebt wird. Weniger klar war, ob fehlende Anregung auch Aggression begünstigt, wenn kein solcher Lustgewinn im Spiel ist. Einzelne ältere Experimente hatten dazu uneinheitliche Hinweise geliefert.
Der Psychologe Prof. Heng Li von der Sichuan International Studies University (SISU) hat diese Frage nun in drei Untersuchungen geprüft. Dabei wollte er auch herausfinden, ob der Wunsch nach besonders intensiven Reizen eine mögliche Verbindung zwischen Langeweile und aggressiven Reaktionen bildet.
Zunächst befragte der Wissenschaftler 180 chinesische und 190 vietnamesische Studenten. Sie sollten angeben, wie häufig sie sich im Alltag langweilen und wie ausgeprägt ihre Neigung zu körperlicher oder verbaler Aggression, Ärger und Feindseligkeit ist. In beiden Gruppen gingen höhere Langeweilewerte mit stärker ausgeprägten aggressiven Neigungen einher.
Diese Befragung zeigt allerdings zunächst nur einen Zusammenhang. Ob Langeweile die aggressiven Einstellungen verstärkt oder andere Persönlichkeitsmerkmale beide Merkmale beeinflussen, lässt sich daraus nicht ableiten. Deshalb folgte ein Experiment mit 124 erwachsenen Teilnehmern aus China, die keine Studenten waren.
Per Zufall sah ein Teil der Teilnehmer ein 25 Minuten langes, monotones Video, in dem ein Mann immer wieder Wäsche faltet. Die Kontrollgruppe betrachtete stattdessen einen interessanteren Dokumentarfilm über einen Park. Anschließend konnten die Versuchspersonen mit Boxhandschuhen so lange auf einen Sandsack einschlagen, wie sie wollten.
Nach dem langweiligen Film schlugen die Teilnehmer häufiger, kräftiger und länger auf den Sandsack ein als nach dem Vergleichsvideo. Dies spricht dafür, dass kurzfristig ausgelöste Langeweile das gezeigte Schlagverhalten beeinflussen kann. Der Sandsackversuch misst allerdings keine Gewalt gegen Menschen und kann eine tatsächliche Bereitschaft zu körperlichen Übergriffen nur indirekt abbilden.
Im dritten Versuch untersuchte Li 277 Erwachsene aus den USA. Die Teilnehmer sahen entweder ein langweiliges Video einer Wasserwand oder einen ansprechenderen Dokumentarfilm. Danach sollten sie sich als politischer Entscheidungsträger vorstellen und in hypothetischen Konfliktsituationen beurteilen, ob sie militärische Angriffe gegen den Iran unterstützen würden.
Wer zuvor das eintönige Video gesehen hatte, befürwortete aggressive militärische Maßnahmen eher als die Teilnehmer der Kontrollgruppe. Der Unterschied zeigte sich sowohl bei liberal als auch bei konservativ eingestellten Befragten. Gemessen wurde aber lediglich die Zustimmung zu erfundenen Szenarien, nicht eine tatsächliche Entscheidung über Krieg oder Gewalt.