// HEISE ONLINE — CYBERSECURITY
Darknet Diaries Deutsch: Der Spion im Wohnzimmer – Teil 1
Eine Streaming-Box verspricht kostenloses Fernsehen – doch als Sicherheitsforscherin D3ADA55 den Datenverkehr untersucht, entdeckt sie verdächtige Aktivitäten.
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Dies ist der erste Teil von „Der Spion im Wohnzimmer“. Der zweite Teil wird in einer Woche veröffentlicht. Im englischen Original von Jack Rhysider trägt diese Episode den Namen „SuperBox“.
Die deutsche Produktion verantworten Judith Hohmann und Marko Pauli von heise online. Der Podcast erscheint wöchentlich auf allen gängigen Podcast-Plattformen und kann hier abonniert werden.
JACK: Neulich war ich bei IKEA, um ne Lampe zu kaufen, und als ich reinkam, sah ich da einen Rückrufhinweis am Schwarzen Brett. Die Knoblauchpresse sollte wieder aus dem Verkehr gezogen werden. Es hieß da, zehn Leute hätten sich bei der Benutzung verletzt. Ich glaube, da sind Metallteile abgesplittert und das hat dann zu Schnittwunden geführt. Also, ja, sie haben den Verkauf gestoppt und jedem, der eine gekauft hatte, den Kaufpreis erstattet. Da kam mir doch der interessante Gedanke: Moment mal; ist sowas jemals bei Computern passiert? Hat ein Geschäft jemals einen Computer zurückgerufen, weil er gefährlich war? Da stellt sich aber auch die Frage: Was bedeutet bei Computern überhaupt gefährlich?
Vor ein paar Jahren gab es eine Geschichte über einen extrem billigen Gaming-Computer, der auf Amazon verkauft wurde. Niemand wusste, dass der Computer mit Malware ausgeliefert wurde. Aber Leuten, die ihn gekauft hatten, wurden die Krypto-Wallets leergeräumt; ihre Steam-Accounts wurden übernommen und ihre E-Mails kompromittiert. Die Computer wurden in China hergestellt und mit Windows 11 ausgeliefert. Der Haken an der Sache war: Um die Geräte halt möglichst billig verkaufen zu können, hat die Firma auf echte Windows-Keys verzichtet, stattdessen haben sie ne gehackte Version des Windows-11-Installers genommen, mit der die ganze Lizenzschlüssel-Sache einfach umgangen werden konnte. Das Problem war nur, dass dieser Installer Malware in die Windows-Installation einbettete. Der Verkäufer wusste also nicht einmal, dass Malware drauf war. Auf Amazon tauchten Bewertungen auf: „Der Computer ist unsicher. Kauft ihn nicht.“ Ein Stern. Immer mehr schlechte Rezensionen kamen rein, in denen es hieß, dass die Computer alle mit Malware ausgeliefert wurden.
Ich meine, wenn ihr einen neuen Gaming-PC bekommt und der schon während der Einrichtung eure Krypto-Wallet leert, eure E-Mails übernimmt und euren Steam-Account klaut – wie groß wäre der Schaden für euch? Und: als wie gefährlich würde man das definieren? Würde es mehr wehtun, als sich einen Metallsplitter von einer Knoblauchpresse in den Finger zu jagen? Ich denke schon. Und doch geben Computergeschäfte wie Best Buy, Amazon oder wer auch immer, soweit ich weiß, niemals Rückrufaktionen für Technik heraus, die bösartig ist. Ganz im Gegensatz zu Händlern eben, die andere defekte und unsichere Artikel verkauft haben. Ich frage mich halt, ob ein mit Malware verseuchter Computer, der den Nutzern enormen Schaden zufügt, für Einzelhändler jemals in die Kategorie „gefährlich“, „fehlerhaft“ oder „schädlich“ fallen wird.
JACK: Heute freue ich mich riesig, denn ich kann endlich mit D3ada55 sprechen. Schön, dich wiederzusehen.
JACK: Wir haben uns vor fünf, sechs Jahren auf der Defcon kennengelernt.