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KI als Jobkiller: Ausgerechnet betroffene Berufe legen zu
Ausgerechnet in Berufen, deren Tätigkeiten sich besonders gut durch KI beschleunigen lassen, ist die Beschäftigung in Deutschland seit 2022 gestiegen. Eine neue Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigt aber auch, dass junge Arbeitnehmer von dieser Entwicklung nicht profitieren.
In den Branchen, die von generativer KI besonders stark verändert werden könnten (etwa Informatik, Rechnungswesen oder Rechtsberufe), ist die Anzahl der Vollzeitbeschäftigten zwischen 2022 und 2025 um rund 1 Prozent gestiegen. In weniger KI-exponierten Branchen (etwa Bau, Landwirtschaft oder Logistik) ging sie im gleichen Zeitraum um gut 3 Prozent zurück. Zu diesem Resultat kommt eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Ein allgemeiner Beschäftigungsrückgang in solchen Berufen ist seit dem Auftakt von ChatGPT damit nicht erkennbar.
Für die Untersuchung wurden monatliche Arbeitsmarktdaten der Bundesagentur für Arbeit von Januar 2021 bis Dezember 2025 ausgewertet. Sie umfassen im Durchschnitt rund 22,3 Millionen sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte im Altersbereich von 20 bis 64 Jahren. Freischaffende, Azubis und geringfügig Beschäftigte sind beispielsweise nicht erfasst.
Wie stark ein Job von KI betroffen sein könnte, bemisst sich daran, wie viele seiner Tätigkeiten sich mit Sprachmodellen oder darauf aufbauenden Programmen deutlich schneller erledigen ließen. Besonders hoch ist dieser Umfang unter anderem in Informatik und Naturwissenschaften, im Rechnungswesen und in Rechtsberufen sowie in Medien und Gestaltung.
Von einem allgemeinen Beschäftigungseinbruch in besonders KI-exponierten Branchen kann zumindest bislang keine Rede sein. Denkbar wäre allerdings, dass sich die Beschäftigtenzahlen ohne KI noch besser entwickelt hätten. Ob das tatsächlich der Fall ist, lässt sich aus der Untersuchung nicht ableiten.
Für die 20- bis 29-Jährigen fällt der Vergleich ungünstiger aus. Ihre Vollzeitstellen sanken von 2022 bis 2025 in stark KI-exponierten Tätigkeitsfeldern um 3,8 Prozent, in weniger exponierten um 2,6 Prozent. Ab 30 Jahren verläuft die Entwicklung deutlich anders: Bei den 30- bis 39-Jährigen lag der Stellenzuwachs in stark exponierten Berufen um knapp 6 Prozentpunkte über dem der Referenzgruppe, bei den 40- bis 64-Jährigen um etwa 5 Prozentpunkte.
Hinter dem Unterschied könnte stecken, dass Neueinsteiger häufiger Aufgaben übernehmen, die Sprachmodelle inzwischen erledigen oder beschleunigen können. Das IAB nennt jedoch auch andere mögliche Deutungen. So sind viele KI-exponierte Aufgaben zugleich gut fürs Homeoffice geeignet. Das kann die Einweisung neuer Kollegen erschweren und Unternehmen dazu bewegen, eher Fachkräfte einzustellen.
Um solche Faktoren besser auseinanderzuhalten, berücksichtigten die Studienautoren neben dem KI-Potenzial auch die Homeoffice-Eignung und die Konjunkturempfindlichkeit der Berufe. Bei den unter 30-Jährigen blieb zwar ein negativer Bezug zwischen KI-Betroffenheit und Beschäftigung bestehen, er war statistisch aber nicht belastbar. Der Zusammenhang mit der schwachen Konjunktur fiel mehr als doppelt so stark aus.
Ein bemerkenswertes Ergebnis gibt es dennoch: In der Industrie und in nichtakademisch geprägten Berufen war eine höhere KI-Exposition bei jungen Beschäftigten mit einer statistisch signifikant schlechteren Beschäftigungsentwicklung verbunden. Für akademisch geprägte Berufe und den Dienstleistungssektor ließ sich ein solcher Zusammenhang nicht nachweisen. Damit betrifft das mögliche Warnsignal gerade nicht in erster Linie die jungen Akademiker, über deren Berufschancen im Zusammenhang mit KI häufig diskutiert wird.