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GTA 6 hieß einst "Project Americas" und deckte riesige Teile des Landes ab
Ein neues Interview enthüllt die turbulente Geschichte des Blockbusters: von der Reduzierung der Spielwelt über Leaks bis hin zum Ende der Crunch-Kultur.
Rockstar Games hat verraten, dass der ursprüngliche Codename für Grand Theft Auto 6 „Project Americas“ lautete. Geplant war zunächst, riesige Landstriche im Norden und Süden der USA ins Spiel einzubauen.
Diese Infos stammen aus einem umfangreichen Bloomberg-Interview mit Rockstar. Darin zeichnet das Team die Anfänge des GTA-6-Projekts sowie die wichtigsten Meilensteine seitdem nach: Verschiebungen, Leaks, Trailer-Releases und mehr.
Laut Bloomberg reiste Rob Nelson, Co-Studio Head von Rockstar North, 2015 mit einem Team für erste Recherchen nach Miami. „Project Americas“, wie das Spiel damals intern hieß, sollte ursprünglich „riesige Landstriche in Nord- und Südamerika abdecken“. Später dampfte man das Konzept auf Miami und das Umland ein. Der ursprüngliche Plan sah vor, das Spiel parallel zu Red Dead Redemption 2 zu entwickeln. Weil das Western-Epos aber immer größer und ambitionierter wurde, schob Rockstar Project Americas um einige Jahre nach hinten.
Nach dem Release von Red Dead Redemption 2 änderte sich allerdings einiges. Rockstar verdoppelte laut dem Artikel fast seine Größe: von 2.441 auf 4.711 Angestellte in 12 Büros. Auch Rockstar-Mitgründer Dan Houser, der als Autor viele der früheren GTA-Teile geprägt hatte, verließ das Unternehmen. Das führte zu Beförderungen für Nelson, Aaron Garbut und Phil Hooker, die als Head of Development die Leitung übernahmen.
Bis 2019 stand das Grundgerüst von GTA 6. Auch die Idee mit Jason und Lucia als Duo, das gemeinsam seinen Verbrechertraum lebt, war bereits festgezurrt. Die feineren Details und die komplexen Spielmechaniken dauerten jedoch länger. Besonders die Covid-19-Pandemie und das damit verbundene Homeoffice bremsten das Team aus. „Es ist extrem schwer, in so einer Zeit ein Team zusammenzuhalten“, erklärte Nelson.
Red Dead Redemption 2 rückte Rockstar zudem als Studio ins Rampenlicht, das massiven Crunch forderte. Das enthüllte Tom Phillips in einer Investigativ-Reportage für Eurogamer. Im Bloomberg-Interview räumte Rockstar dies ein. Jennifer Kolbe, Head of Publishing bei Rockstar, bezeichnete es als „einen echten Moment, in dem Rockstar sich selbst hinterfragen musste“.
„Wir sahen uns alle an und sagten: ‚So machen wir das nicht noch einmal‘“, fügte sie hinzu. „Es lief sicher nicht alles perfekt, aber es ist definitiv besser als bei Red Dead 2. Wann immer ich behaupte, wir hätten nicht gecruncht, wird jemand sagen: ‚Ich aber schon.‘ Und ich möchte da gar keine Diskussionen mit einzelnen Teams oder Leuten anfangen. Aber ich denke, wir haben die Dinge dieses Mal anders angepackt, und darauf bin ich stolz.“
Laut Bloomberg sprachen die Reporter mit „Dutzenden“ Rockstar-Angestellten, die Kolbes Aussagen „überwiegend positiv“ bestätigten. Sie erkannten Verbesserungen beim Thema Crunch an und lobten, dass man toxische oder schwierige Führungskräfte entlassen habe. Aktuell steckt Rockstar in Schottland allerdings in einem laufenden Arbeitsgerichtsprozess. Das Studio hatte 34 Angestellte (31 davon bei Rockstar North) fristlos entlassen. Der Vorwurf der Führungsetage lautete grobes Fehlverhalten. Die Betroffenen selbst sprachen jedoch von Union-Busting. Wir haben die Anhörungen des Tribunals fortlaufend begleitet. Ein Urteil wird voraussichtlich Ende der Woche erwartet.
Während GTA 6 langsam Form annahm, erlitt Rockstar einen der größten Rückschläge der Studiogeschichte. Ein Phishing-Angriff verschaffte Hackern 2022 Zugang zum Firmen-Slack, woraufhin unfertiges Gameplay-Material des Spiels im Netz landete. Aaron Garbut sagte dazu: „Es fühlt sich an, als würde jemand in deiner schmutzigen Wäsche wühlen. Als wären sie in deinem Kopf. Da draußen schwirrt deine frühe Arbeit herum, die eigentlich niemand jemals sehen sollte. Das ist extrem grenzüberschreitend. Deshalb ist es auf emotionaler Ebene wirklich schwer zu verarbeiten.“