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Axolotl zeigen selbst im Dunkeln eine erstaunliche Fähigkeit
Axolotl sind für ihre Regenerationsfähigkeit bekannt, doch über ihre Wahrnehmung weiß man bisher wenig. Ein Versuch mit jungen Tieren zeigt nun, dass sie unterschiedlich große Durchgänge unterscheiden und bevorzugt den größeren wählen, auch während der Dunkelphase. Dabei spielen sowohl der Größenunterschied als auch die absolute Größe der Öffnungen eine Rolle.
Mexiko-Stadt (Mexiko). In den trüben Gewässern ihres natürlichen Lebensraums können sich Axolotl nicht immer auf ihre Augen verlassen. Um sich zwischen Hindernissen hindurchzubewegen, müssen die Schwanzlurche passende Öffnungen finden. Bisher war jedoch kaum erforscht, ob sie Unterschiede zwischen solchen Durchlässen zuverlässig wahrnehmen und für ihre Wegwahl nutzen können.
Bekannt sind Axolotl vor allem, weil sie verlorene Gliedmaßen und weitere Körperteile nachbilden können. Über ihre Wahrnehmungsleistungen ist hingegen weniger bekannt. Bei anderen Amphibien wurde bereits untersucht, ob sie unterschiedliche Mengen erkennen. Doch solche Tests stützen sich oft auf das Sehen und sind für Tiere mit eingeschränkter Sicht nur bedingt geeignet.
Forscher der Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM) um Oxána Bánszegi haben deshalb einen Versuch entwickelt, der an die Lebensweise der Axolotl angepasst ist. Die Wissenschaftler setzten 24 rund sieben Monate alte Tiere in Aquarien mit einer Trennwand, die zwei unterschiedlich große kreisförmige Öffnungen hatte. Durch beide Löcher konnten die Tiere problemlos schwimmen, sodass sie frei zwischen den Durchgängen wählen konnten.
Das Team prüfte sechs Kombinationen von Öffnungsgrößen, jeweils über drei Tage. Dabei tauschten die Forscher innerhalb der Testphasen die Positionen der beiden Durchgänge, um eine bloße Vorliebe für eine Seite auszuschließen. Insgesamt erstreckte sich die Beobachtung über 18 Tage. Für die Auswertung waren 22 der 24 Axolotl aktiv genug.
Die Tiere nutzten bei sämtlichen Größenkombinationen häufiger den größeren Durchgang. Je deutlicher sich die Öffnungen in ihrer Größe unterschieden, desto stärker fiel diese Präferenz aus. Waren beide Löcher insgesamt großzügiger bemessen, bevorzugten die Axolotl das größere, dagegen weniger ausgeprägt. Ihre Wahl hing damit nicht nur vom Größenverhältnis, sondern auch von der insgesamt verfügbaren Öffnungsfläche ab.
Die Vorliebe für die größere Öffnung zeigte sich auch in den dunklen Stunden. Zwar durchquerten die Axolotl die Trennwand nachts insgesamt seltener als tagsüber. Wenn sie einen Durchgang nutzten, entschieden sie sich aber ähnlich häufig für den größeren. Gute Sicht scheint für diese einfache Größenunterscheidung daher nicht zwingend erforderlich zu sein.
Über welche Sinnesreize die Tiere den Unterschied erkennen, bleibt offen. Möglich wäre, dass ihr Seitenliniensystem beteiligt ist, das Bewegungen und geringe Druckveränderungen im Wasser registriert. Der Versuch war allerdings nicht darauf ausgelegt, die Bedeutung einzelner Sinnesorgane zu bestimmen. Diese Erklärung muss deshalb erst in weiteren Experimenten überprüft werden.
Das Ergebnis bedeutet nicht, dass Axolotl zählen oder abstrakt rechnen können. Gezeigt wurde vielmehr, dass sie räumliche Größen unterscheiden und diese Information bei einer einfachen Wahl nutzen. In einem Lebensraum mit Hindernissen könnte eine solche Fähigkeit helfen, geeignete Durchlässe zu finden und ein Steckenbleiben zu vermeiden.
Untersucht wurden junge Axolotl in einer vertrauten Aquarienumgebung. Wie sie bei Strömung, wechselnden Hindernissen oder in ihrem natürlichen Lebensraum reagieren, wurde damit nicht geklärt. Dennoch erweitert die Studie das Wissen über die Wahrnehmung einer Amphibienart, die bislang vor allem wegen ihrer außergewöhnlichen Regeneration im Mittelpunkt steht.