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Im Test vor 15 Jahren: AMDs Bulldozer war der Super-GAU
Acht Kerne, eine neue Architektur und endlich wieder eine Attacke auf Intel: AMDs FX-8150 versprach im Oktober 2011 einen Neubeginn. Doch unser Test geriet zum Verriss. Das neue Topmodell war kaum schneller als sein Vorläufer und verbrauchte erheblich mehr Energie.
Mit Bulldozer brachte AMD im Oktober 2011 erstmals seit Jahren ein grundlegend neues Prozessordesign in den Handel. Gleichzeitig kehrte die FX-Serie zurück, mit der AMD zu Zeiten des Athlon 64 FX noch erfolgreich gegen Konkurrent Intel angetreten war. Das neue Topmodell FX-8150 warb mit 8 Kernen, 3,6 GHz Basistakt und bis zu 4,2 GHz Turbo. Die Produktion erfolgte in 32(!) Nanometer, die TDP lag bei 125 Watt und die UVP betrug 245 US-Dollar.
Die acht Kerne waren allerdings anders konstruiert als bei bisherigen CPUs. AMD setzte auf vier Module mit jeweils zwei Integer-Einheiten, die sich unter anderem die Gleitkommaeinheit und Bereiche des Frontends teilten. Auf diese Weise konnte Bulldozer acht Threads parallel bearbeiten, ohne acht eigenständige Kerne zu besitzen. Wir bezeichneten den Aufbau deshalb damals als „4M/8T“.
Die Architektur war auf eine hohe Zahl gleichzeitig ausgeführter Threads ausgelegt. Software mussten die verfügbaren Recheneinheiten entsprechend auslasten, um von dem Konzept zu profitieren. Bei Anwendungen, die vor allem auf eine hohe Leistung pro Kern angewiesen waren, konnte die Verteilung der Kapazitäten dagegen zum Nachteil werden.
Am 12. Oktober 2011 veröffentlichten wir den Test unter dem Titel „Ein schwarzer Mittwoch“. Die Redaktion hatte weniger als drei volle Arbeitstage Zeit für die Benchmarks, da AMD die Testexemplare in Deutschland erst kurz vor dem offiziellen Verkaufsstart bereitgestellt hatte.
In der Gesamtbewertung aus Anwendungen und Spielen erreichte der FX-8150 lediglich neun Prozent mehr Leistung als der ältere Phenom II X6 1100T. Intels Core i5-2400 lag seinerseits rund acht Prozent vor dem FX-8150, der Core i5-2500K setzte sich noch deutlicher ab.
Ein Teil des ohnehin geringen Vorsprungs gegenüber dem Phenom II X6 ging auf den Verschlüsselungsbenchmark TrueCrypt zurück. Dank der AES-Befehlssatzerweiterung erreichte Bulldozer dort einen mehr als viermal so hohen Durchsatz. Bei gleicher Taktfrequenz und deaktiviertem Turbo blieb die neue Architektur in vielen Messungen hingegen sogar hinter den alten Phenom-II-Kernen zurück.
Besonders deutlich wurden die Defizite beim Spielen. Bei 1.680 × 1.050 Pixeln lag der FX-8150 im Mittel praktisch gleichauf mit dem Phenom II X6, während sich Intels Core i5-2500K einen deutlichen Vorsprung sicherte. Bei einer Auflösung von 640 × 480 Pixeln, mit der wir die Limitierung durch die Grafikkarte weitgehend ausschlossen, betrug der Rückstand auf den Intel-Vierkerner sogar rund 28 Prozent.
Bei der Leistungsaufnahme fiel der Unterschied noch größer aus. Wir ermittelten damals die Leistungsaufnahme des gesamten Testsystems an der Steckdose und verglichen die Abweichung zwischen Idle und Volllast. Beim FX-8150 stieg der Strombedarf unter Last um 143 Watt, beim Core i5-2500K lediglich um 74 Watt. Der Mehrverbrauch fiel bei Bulldozer damit nahezu doppelt so hoch aus, obwohl der Intel-Prozessor in den Benchmarks schneller war.
Auch gegenüber dem Phenom II X6 benötigte der FX-8150 unter Auslastung knapp 30 Watt mehr. Im Leerlauf zeigte sich die neue Architektur dagegen sparsamer als ihr Vorgänger. Beim Übertakten erreichte das Testmuster rund 4,6 GHz, wobei der ohnehin hohe Strombedarf weiter anstieg.