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Können Lungenbakterien die Behandlung von Long Covid verbessern?
Menschen, die sich nach einer Covid-19-Erkrankung nur schlecht erholen, weisen in Mund und Atemwegen andere Bakteriengemeinschaften auf als weniger schwer Betroffene. Das zeigt eine Analyse von 771 zuvor hospitalisierten Patienten. Die Unterschiede hängen auch mit Konzentrationsproblemen, Verdauungsbeschwerden und Entzündungsmarkern zusammen, beweisen aber keine Ursache für Long Covid.
Leicester (England). Long Covid umfasst Beschwerden, die nach einer Covid-19-Erkrankung über Wochen oder Monate fortbestehen. Häufig betroffen sind Atmung und Belastbarkeit, aber auch Gedächtnis und Konzentration. Welche biologischen Prozesse solche lang anhaltenden Einschränkungen begleiten, ist noch nicht vollständig geklärt.
Zu den möglichen Einflussfaktoren gehören die Bakteriengemeinschaften im Mund und in den Atemwegen. Diese sogenannte Mikrobiota ist Teil des Mikrobioms, das die dort lebenden Mikroorganismen und ihre Wechselwirkungen umfasst. Schon während einer akuten Covid-19-Erkrankung kann sich die Zusammensetzung der Mikroben in den Atemwegen verändern.
Forscher der University of Dundee um Prof. James D. Chalmers haben untersucht, ob sich die bakteriellen Muster auch Monate später mit Long-Covid-Beschwerden verbinden. Ihre Auswertung umfasst 771 Erwachsene aus dem britischen Nachbeobachtungsprojekt PHOSP-COVID, die zuvor wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt worden waren.
Fünf Monate nach ihrer Entlassung wurden die Teilnehmer anhand ihrer gesundheitlichen Einschränkungen vier Schweregradgruppen zugeordnet. Etwa einen Monat später untersuchte das Team Mundspülproben und abgehusteten Schleim, sogenanntes Sputum, mithilfe einer Erbgutanalyse. So ließen sich die dort vorhandenen Bakteriengruppen und ihre Häufigkeit erfassen.
„Wir wissen, dass weltweit noch immer Millionen Menschen von Long Covid betroffen sind und die Ursache weiterhin unbekannt ist. Long Covid betrifft mehrere Organe. Das Mikrobiom ist wichtig, um die Gesundheit im gesamten Körper zu erhalten, und kommt daher als möglicher Faktor für Long Covid infrage. Frühere Studien haben bei Long Covid bereits Veränderungen des Darmmikrobioms gezeigt, aber Covid ist eine Lungenerkrankung, weshalb es sinnvoll ist zu prüfen, ob sich auch das Lungenmikrobiom bei Long Covid verändert hat“, erklärt Dr. Daniela Alferes de Lima Headley von der University of Dundee.
Besonders deutlich fielen die Unterschiede bei Patienten mit sehr schweren Langzeitbeschwerden aus. Ihr orales Mikrobiom war weniger vielfältig als bei vergleichsweise gut erholten Personen, und die Zusammensetzung der Bakterien unterschied sich insgesamt. Im Auswurf zeigten sich ebenfalls mit dem Schweregrad verbundene Muster.
Die Muster waren nicht auf Atemprobleme beschränkt. Eine verringerte Lungenfunktion und anhaltende kognitive Beschwerden gingen jeweils mit charakteristischen Bakterienprofilen im Mund einher. Bei Magen-Darm-Symptomen war hingegen besonders die mikrobielle Zusammensetzung des Sputums auffällig.
„Menschen, die fünf bis sechs Monate nach einer Covid-Infektion die schlimmsten Symptome hatten, wiesen große Veränderungen des Mikrobioms in Mund und Lunge auf. Wir fanden außerdem, dass Veränderungen des Atemwegsmikrobioms nicht nur mit Lungenproblemen zusammenhingen, sondern auch mit Symptomen wie Gehirnnebel und Magen-Darm-Beschwerden, was darauf hindeutet, dass das Lungenmikrobiom die Gesundheit umfassender beeinflussen könnte“, erklärt Prof. James D. Chalmers.
Bei schlechterer gesundheitlicher Verfassung fanden die Forscher zudem häufiger bestimmte Milchsäure produzierende Bakterien. Ihre Häufigkeit stand auch mit erhöhten Konzentrationen von Entzündungsproteinen im Blut in Zusammenhang. Ob die Mikroben diese Entzündungsreaktionen beeinflussen oder umgekehrt ein verändertes Entzündungsmilieu bestimmte Bakterien begünstigt, lässt sich daraus nicht ableiten.