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Doppelsystem Deutschland: Gesetzliche und Private Krankenkasse
Das deutsche Krankenversicherungssystem ist speziell. Während in vielen Ländern die private Versicherung eine Ergänzung ist, ist sie hierzulande für Millionen Menschen das Hauptsystem.
In Deutschland gibt es ein besonderes Doppelsystem bei der Krankenversicherung: die gesetzliche (GKV) und die private (PKV). Beide sind vollwertige Systeme, sie laufen aber strikt nebeneinander. Das ist ziemlich speziell: In anderen Ländern gibt es zwar auch private Krankenversicherungen - sie sind aber oft eher ein Zusatz zur gesetzlichen Versicherung.
Hierzulande sind rund elf Prozent der Menschen privat versichert. Dabei richtet sich der zu zahlende Beitrag zum Beispiel nach Eintrittsalter, Gesundheitszustand und individuellem Risiko. Wer jung und gesund einsteigt, zahlt häufig weniger. Und auch der gewählte Tarif macht einen Unterschied. Man kann die Leistungen und die Höhe der Selbstbeteiligung viel genauer selbst festlegen als in der gesetzlichen Krankenkasse - etwa Chefarztbehandlung, Einbettzimmer im Krankenhaus oder einen besonders guten Zahnersatz-Tarif. Laut PKV-Verband können Versicherungsnehmer dabei derzeit zwischen rund 40 verschiedenen privaten Krankenversicherern wählen.
Allerdings ist eine private Krankenversicherung keineswegs immer eine Option: In die private Krankenversicherung kommt nur, wer bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Angestellte beispielsweise können wechseln, wenn ihr Bruttojahreseinkommen über der sogenannten Versicherungspflichtgrenze liegt: 2026 sind das 77.400 Euro, 2027 steigt der Wert auf 84.150 Euro. Für die meisten Angestellten ist ein Wechsel damit gar keine Option, weil ihr Gehalt unter dieser Grenze liegt.
Insgesamt sind rund 89 Prozent der Bevölkerung gesetzlich krankenversichert. Das liegt auch daran, dass es in Deutschland eine Krankenversicherungspflicht gibt. Sie soll dafür sorgen, dass Menschen im Krankheitsfall finanziell abgesichert sind. Dennoch gibt es auch hierzulande Menschen, die nicht versichert sind: Im Jahr 2023 waren das laut Statistischem Bundesamt in Deutschland rund 72.000 Menschen. Sie bekommen nur in medizinischen Notfällen eine Behandlung, denn Ärzte dürfen diese auch bei fehlendem Versicherungsschutz nicht verweigern.
Der Regelfall ist hierzulande also die Absicherung über die gesetzlichen Krankenversicherungen, die Teil der Sozialversicherungen sind. Die GKV finanziert sich über Beiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Das Grundprinzip dabei lautet: Alle zahlen ein, und wer etwas braucht, bekommt es aus dem gemeinsamen Topf. Dabei wird das sogenannte Solidarprinzip angewandt: Wer mehr verdient, zahlt mehr. Und wer weniger braucht, unterstützt andere.
Gesundheitsminister Linnemann bezeichnete die Entwicklung als "gutes Zeichen" nach wiederholten Beitragserhöhungen.
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Für GKV-Mitglieder gibt es eine freie Kassenwahl: Heute existieren noch knapp unter 100 gesetzliche Krankenkassen. Früher war das anders, erklärt Gesundheitsökonom Simon Reif im aktuellen 50k-Video auf YouTube: "Früher hat der Beruf vorgegeben, in welcher gesetzlichen Krankenversicherung man ist. Deshalb gab es in den 70er-Jahren rund 2.000 Krankenkassen." Seit einer Reform kann nun jeder selbst entscheiden, bei welcher Kasse man Mitglied sein möchte.
Dabei lohnt sich ein Blick auf den Zusatzbeitrag. "Man kann Geld sparen, wenn man zu einer Krankenkasse geht, die einen niedrigeren Zusatzbeitrag hat. Insbesondere, wenn man jung ist und wenig Leistung in Anspruch nimmt", so Reif. Gleichzeitig bieten die Kassen unterschiedliche Zusatzleistungen, etwa Zuschüsse zur professionellen Zahnreinigung oder zu Reiseimpfungen. Es lohnt sich also, die Angebote insgesamt genau zu vergleichen, statt nur auf den Preis zu schauen.
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