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"Deutschlandtag" der Jungen Union: Der große Knall bleibt aus
Die Junge Union ist in der Partei längst ein Machtfaktor. Entsprechend selbstbewusst präsentierte sich der Nachwuchs beim "Deutschlandtag" - und Kanzler Merz zeigte sich zugewandt. Harmonie war trotzdem nicht zu spüren.
Der Soundtrack zum "Deutschlandtag" der Jungen Union (JU) ist natürlich kein Zufall. Die Regie der JU hat genau ausgewählt, unter welchen Songs die Gastredner den Saal in Bonn betreten. Und diese vermitteln eine Botschaft der mittlerweile mächtigen Jungen in der Union.
Beim Einzug von Friedrich Merz dröhnt "United through the storm" aus den Boxen. Gemeinsam durch den Sturm zu kommen: Das war dann auch das Versprechen des JU-Bundesvorsitzenden Johannes Winkel gegenüber dem Kanzler: Wir unterstützen dich, aber nur wenn du die Reformen jetzt auch durchsetzt. Und hinter diesem "wenn" steht sozusagen ein drohendes Ausrufezeichen.
Mit spürbarer Ungeduld drängt die Junge Union auf die Umsetzung von Reformen, insbesondere der Rentenreform. Mit Verärgerung fordert sie mehr Durchsetzungskraft gegenüber der SPD in der Koalition. Und mit großem Selbstbewusstsein äußert die JU ihre Überzeugungen.
Denn sie sieht sich nicht nur als Motor und Antreiber der CDU, sondern auch als Machtfaktor. Im Bundestag verfügt Merz über eine Mehrheit von zwölf Stimmen. Die junge Gruppe aber besteht mittlerweile aus 20 Abgeordneten. Wenn die sich also dem Kanzler widersetzen, hat der ein Problem.
Beim "Deutschlandtag" der Jungen Union in Bonn will der Parteinachwuchs trotz schlechter Stimmung neue Impulse setzen.
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Merz weiß um diese Bedeutung und gibt sich daher in diesem Jahr "JU-freundlicher". Der große Knall bleibt aus. Im Gegensatz zum letzten "Deutschlandtag", als Merz im Rentenstreit sichtlich erbost den Delegierten zurief: "Das kann doch wohl nicht euer Ernst sein!"
Stattdessen versprach der Kanzler den etwa 300 Delegierten, dass er den Rentenkompromiss so umsetzen wird, wie er jetzt (seit fast vier Monaten) vorliegt. So soll er noch vor Weihnachten im Kabinett beschlossen werden. Und auch die erste Lesung im Bundestag soll schon vor Jahresende stattfinden.
Das glättet die Wogen. Es ist die Erfüllung der Mindesterwartung, die die JU an ihren Kanzler hat, den sie einst so frenetisch feierte und von dem sie jetzt so enttäuscht ist. Die Revolution bleibt aus und Merz holt sich einen knappen, höflichen Applaus ab. Nicht mehr, nicht weniger. Nach den Konflikten der vergangenen Monate ist das schon ein freundlicher Akt innerhalb der Union.
Führende Vertreter der JU machen abseits der Rednerbühne aber auch klar: Das Zeitfenster, in dem man jetzt stillhält, ist nicht mehr lange geöffnet. Selbst wenn Ultimaten auf dem "Deutschlandtag" 2026 nicht laut ausgesprochen wurden, hört man: Spätestens im Frühjahr 2027 muss die Rentenreform durch sein, ansonsten knalle es erneut.