// TAGESSCHAU AUSLAND — MONDO
In Kiew wächst die Kritik an Bürgermeister Klitschko
In Kiew steht der nächste Kriegswinter bevor. Viele Menschen werfen Bürgermeister Klitschko hier Missmanagement vor. Statt die Strom- und Wasserversorgung zu sichern, würde Geld für Straßenbau ausgegeben.
"Kiew ohne Klitschko", rufen die Protestierenden am Samstag vor der Kiewer Stadtverwaltung. Die Liste ihrer Kritikpunkte ist lang: Chaos auf den Straßen, Chaos im öffentlichen Nahverkehr, intransparente Großbauprojekte - und immer wieder Korruptionsskandale im Umfeld des Kiewer Bürgermeisters Vitali Klitschko.
Vira und die anderen fordern seinen Rücktritt: "Wir sind unzufrieden mit seiner Amtsführung. Jetzt gerade ist es eine akute Phase, aber eigentlich sind die Resultate seiner Arbeit in den letzten zwölf Jahren allgemein schlecht."
Kanzler Merz hat bei seinem Besuch in Kiew erneut Russland zu einem Ende des Krieges aufgefordert.
mehr
Hinzu kommen ständige russische Luftangriffe, aber viel zu wenig Schutzräume, stundenlange Ausfälle der Strom- und Wasserversorgung und die Sorgen vor dem kommenden Winter. Der Politologe Wolodymyr Fesenko spricht von allgemeinem Missmanagement.
Es ärgere die Menschen, dass damit Geld verdient werde, so Fesenko. Geld, das in den Schutz der kritischen Infrastruktur, in Schutzräume und Drohnen und in Notstromaggregate gesteckt hätte werden müssen, lautet der Vorwurf. Die Kritik kommt nicht nur von der Straße, sondern von höchster Stelle. Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Klitschko vor, bei der Wintervorbereitung der Stadt versagt zu haben.
Klitschko wies die Kritik in der vergangenen Woche vor dem Parlament zurück. Seit zwei Monaten sei Kiew ständigen Angriffen auf die Infrastruktur ausgesetzt. Das sei für jeden Bürger der Stadt eine Herausforderung, so Klitschko. "Wir als Stadtverwaltung versuchen mit aller Kraft, das Funktionieren der Stadt sicherzustellen - trotz der Seitenhiebe, mit denen die Selenskyj-Regierung ständig versucht uns zu schwächen", sagte er.
Noch immer sind in Kiew Hunderte Häuser ohne Heizung. Die Stadt will unbürokratisch helfen.
mehr
Der Konflikt zwischen Präsident Selenskyj und Bürgermeister Klitschko ist mehrere Jahre alt. Letzterer sieht sich einer Lügenkampagne ausgesetzt. Selenskyjs Regierung habe Gelder blockiert und so die Wintervorbereitungen behindert, so Klitschko.
Politologe Fesenko meint, der ukrainische Präsident versuche tatsächlich, die Unzufriedenheit der Menschen zu instrumentalisieren. Doch die Kritik an Klitschko sei berechtigt. Schon im vergangenen Winter habe es berechtigte Kritik an Klitschko gegeben. Jetzt sei es genauso - es gebe jede Menge Probleme, so Fesenko.