// TAGESSCHAU AUSLAND — MONDO
Krawalle in Frankreich - Regierung räumt "Kontrollverlust" der Behörden ein
Nach den gewalttätigen Protesten am Wochenende ist Frankreichs Regierung mit der Frage beschäftigt, wie es dazu kommen konnte. Innenminister Nuñez bot seinen Rücktritt an, Justizminister Darmanin sieht Defizite bei den Behörden.
Die schweren Ausschreitungen in Frankreich haben nach Auffassung von Justizminister Gerald Darmanin Schwächen im Sicherheitsapparat offenbart. Die Sicherheitsbehörden gingen zwar sehr gut gegen Bedrohungen durch Terroristen und organisierte Kriminalität vor, nicht aber gegen linksextreme Demonstranten, sagte Darmanin dem TV-Sender France 2. "Ganz offensichtlich gehen sie nicht effektiv gegen die extreme Linke vor", erklärte Darmanin.
Am Wochenende, insbesondere am Samstag, waren die Proteste gegen hohe Lebenshaltungskosten und Bildungsmissstände im Land weiter eskaliert. Das Innenministerium macht dafür vor allem die ultralinke Szene verantwortlich.
Bei landesweiten Protesten gegen hohe Lebenshaltungskosten gab es Angriffe auf Polizisten, Plünderungen und Brandstiftungen.
mehr
Landesweit wurden laut Justizministerium am Wochenende 2.331 Menschen in Polizeigewahrsam genommen. Allein in Paris waren am Sonntag und in der Nacht zum Montag weitere 350 Menschen festgenommen worden, wie Innenminister Laurent Nuñez mitteilte. Gegen mehr als 80 Prozent von ihnen werde strafrechtlich vorgegangen. Mehrere Dutzend Verdächtige seien bereits in Untersuchungshaft genommen worden.
Unter anderem waren Geschäfte geplündert worden, Gebäude und Fahrzeuge waren in Flammen aufgegangen und Demonstranten hatten sich Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Diese hatte unter anderem Tränengas eingesetzt. Nach Angaben des Innenministeriums wurden über das Wochenende 997 Polizisten und andere Sicherheitskräfte verletzt, sieben von ihnen schwer. Auch unter den Demonstrierenden gab es zahlreiche Verletzte. In Paris erlitt ein Demonstrant einen Herzstillstand und starb.
In Limoges steckten Randalierer das historische Rathaus in Brand.
In einer Ansprache kündigte der Präsident an, durchzugreifen - notfalls mit einem Verbot der Demonstrationen.
mehr
Als Reaktion auf die Geschehnisse am Wochenende hatte Innenminister Nuñez seinen Rücktritt angeboten. Präsident Emmanuel Macron wies das Angebot jedoch zurück und begründete dies mit der Aufrechterhaltung der Befehlskette innerhalb der Polizei und der Sicherheitskräfte.
Nuñez hatte zuvor Fehler eingeräumt. "Angesichts der Schäden ist es normal, dass ich meinen Rücktritt einreiche", sagte er heute Morgen im Radiosender France Inter. Die Sicherheitsbehörden hätten die Zahl der Teilnehmenden an den Protesten unterschätzt. In manchen Städten habe die Polizei die Kontrolle verloren.