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Was verraten Palmblätter die Geschichte alter Handschriften?
Palmblatt-Handschriften aus Süd- und Südostasien haben eine lange Geschichte, doch die Verarbeitung ihrer Blätter ist oft nur lückenhaft dokumentiert. Eine Röntgenstudie zeigt messbare Unterschiede zwischen Palmengattungen und Herstellungsstufen, ohne empfindliche Originale zu beschädigen. Wo ein Manuskript gefertigt wurde, lässt sich aus diesen Materialspuren allein allerdings noch nicht zuverlässig bestimmen.
Hamburg (Deutschland). Über Jahrhunderte dienten Palmblätter in Süd- und Südostasien als Schreibunterlage für religiöse Texte, Literatur, Rechtsvorschriften und wissenschaftliche Schriften. Bevor sie beschrieben wurden, mussten die Blätter zugeschnitten, gekocht, getrocknet und geglättet werden, teils mit weiteren Behandlungen.
Welche Arbeitsschritte in den einzelnen Regionen üblich waren, ist häufig nur unvollständig überliefert. Auch Alterung, Umwelteinflüsse und spätere Konservierungen verändern die Struktur und chemische Zusammensetzung der Blätter, wodurch ursprüngliche Fertigungsspuren schwerer zu erkennen sind.
Forscher der Technischen Universität Hamburg (TUHH) um Laura Gallardo haben deshalb untersucht, welche Materialeigenschaften Hinweise auf die verwendete Palmengattung und die Verarbeitung liefern können. In die Untersuchung gingen nach Angaben der beteiligten Einrichtungen 85 Handschriften und 75 moderne Vergleichsmaterialien aus unterschiedlichen Sammlungen und Regionen ein.
Dafür nutzte das Team intensive Röntgenstrahlung an der Forschungsanlage PETRA III des Deutschen Elektronen-Synchrotrons (DESY) in Hamburg und an der European Synchrotron Radiation Facility (ESRF) in Grenoble. Drei gleichzeitig eingesetzte Messverfahren machten verschiedene Eigenschaften derselben untersuchten Bereiche sichtbar.
Die Kleinwinkel-Röntgenstreuung liefert Informationen zur Orientierung feiner Fasern, während die Weitwinkelstreuung die kristalline Ordnung der Zellulose erfasst. Eine Röntgenfluoreszenzanalyse ergänzt diese Daten um die Verteilung chemischer Elemente. Bereiche mit Schriftspuren wurden bei der Auswertung soweit möglich ausgeklammert, damit die Schreibunterlage selbst im Mittelpunkt steht.
Die Messungen sind zerstörungsfrei. Von den empfindlichen Manuskriptblättern mussten dafür keine Materialproben entnommen werden. Die Forscher kombinierten die Struktur- und Chemiedaten anschließend mithilfe von Verfahren des maschinellen Lernens.
„Für seltene und empfindliche Kulturgüter ist es entscheidend, umfangreiche Struktur- und Chemiedaten zu gewinnen, ohne eine Probe entnehmen zu müssen“, erklärt Laura Gallardo.
Die Wissenschaftler verglichen drei Materialgruppen. Dazu gehörten unbehandelte trockene Palmblätter, vorbereitete Schreibunterlagen und historische Manuskripte. Die Kombination mehrerer Messmerkmale erlaubte es, diese Verarbeitungsstufen in den untersuchten Daten vergleichsweise zuverlässig voneinander zu unterscheiden.
Auch zwischen den beiden untersuchten Palmengattungen Corypha und Borassus traten Unterschiede hervor. Besonders deutlich waren sie bei bereits bearbeiteten Blättern, während rohe Blätter weniger gut zu trennen waren. Offenbar beeinflusst die Herstellung, wie sich botanische Unterschiede später in der Materialstruktur zeigen.