// EUROGAMER.DE — GAMING
Ex-Call-of-Duty-Entwickler kritisiert Führungskräfte, die sich mit Remastern "die Taschen füllen"
Die Chefetage streicht mit den Neuauflagen von BO1 und BO2 massive Profite ein, während die ursprünglichen Schöpfer nach hartem Crunch komplett leer ausgehen.
Ein ehemaliger, langjähriger Entwickler von Call of Duty hat scharfe Kritik an der Führungsriege von Activision geübt. Diese würde massiv an den Neuveröffentlichungen von Spielen wie Black Ops 1 und 2 mitverdienen. Die Entwickler hingegen, die mit "Blut, Schweiß und Tränen" an den Titeln gearbeitet haben, gingen komplett leer aus.
Gavin Goslin arbeitete über 15 Jahre lang als Level Artist und Level Designer bei Treyarch. In einem LinkedIn-Post reagierte er auf die diesjährigen, ziemlich lieblos umgesetzten Re-Releases von Black Ops 1 und 2: "Sie drucken quasi Geld mit Arbeit, die schon vor über einem Jahrzehnt abgeschlossen wurde."
"Als Entwickler, der tatsächlich an BO1 und BO2 mitgearbeitet hat, betrachte ich diese Verkaufscharts mit gemischten Gefühlen. Ich habe mein Leben in diese Spiele gesteckt. Ich habe unzählige, harte Crunch-Stunden mit einem unglaublich talentierten Team verbracht, um sicherzustellen, dass sie perfekt werden. Es ist großartig zu sehen, dass unser Blut, Schweiß und Tränen auch 2026 noch die Charts dominieren. Es tut aber weh, wenn man zusehen muss, wie die Anzugträger mit unserem alten Code ein Vermögen scheffeln, während die eigentlichen Schöpfer keinen einzigen Cent davon sehen."
Diverse Gaming-Websites griffen den Beitrag in der Folge auf. Auf diese Verbreitung reagierte Goslin heute in einem weiteren LinkedIn-Post. "Ich bin froh, dass diese wichtige Diskussion an Fahrt aufnimmt", erklärte er.
"Wenn man sieht, wie Führungskräfte mit unserem alten Code massive Gewinne einfahren, während die eigentlichen Schöpfer arbeitslos werden und keinen Cent dieser neuen Einnahmen sehen, zeigt das einen grundlegenden Fehler auf. Unsere Branche schätzt ihre Talente einfach nicht richtig wert", fügte Goslin hinzu. "Wenn Publisher im Jahr 2026 mit alten Spielen noch immer Geld drucken, muss es auch entsprechende Belohnungen und Schutzmaßnahmen für die Entwickler geben, die den Crunch überlebt haben, um sie überhaupt erst zu erschaffen."
Wir haben Activision um eine Stellungnahme zu diesen Vorwürfen gebeten.
Die Neuveröffentlichungen von Call of Duty: Black Ops 1 und 2 erschienen im Juli und waren Berichten zufolge ein riesiger Erfolg für Activision und den Mutterkonzern Microsoft. Die Spiele verkauften sich rund 11 Millionen Mal und spülten fast 450 Millionen US-Dollar in die Kassen. Und das, obwohl es sich dabei nicht um Remaster, sondern um simple Re-Releases handelt. Das US-Marktforschungsunternehmen Circana listete Black Ops 1 & 2 nicht nur als das umsatzstärkste Spiel im Juli, sondern bezeichnete es sogar als den fünfthöchsten Umsatzgaranten des gesamten Jahres. Ein bemerkenswerter Erfolg dafür, dass man diese rund 15 Jahre alten Titel einfach nur neu aufgelegt hat.
Währenddessen steht das neue Call of Duty, Modern Warfare 4, in den Startlöchern. Der Release am Freitag, den 23. Oktober, wird von überaus positiven Reaktionen auf die Kampagne begleitet. Spieler mit Early-Access-Vorbestellung konnten sich davon bereits einen Eindruck verschaffen. Wir testen das Spiel aktuell selbst und werden unsere Eindrücke schon bald mit euch teilen.