// SPIEGEL KULTUR — MODA & SOCIETÀ
Judi Dench rechnet in Memoiren mit »Cats«-Film ab: »Nicht auszuhalten«
Schauspielerin Dench (2017 in Italien): »Was für eine Verschwendung von gutem Willen und Talent«
Schon der Trailer hatte nichts Gutes ahnen lassen. Und als dann am 25. Dezember 2019 die Verfilmung des Andrew-Lloyd-Webber-Musicals »Cats« im Kino erschien, waren sich ziemlich schnell ziemlich alle einig: Das war nichts. »In diesem Film haben wirklich alle alles falsch gemacht: der Regisseur, die Autoren, die Animationsspezialisten, selbst die Schauspieler«, hieß es in der SPIEGEL-Rezension .
Ein Urteil, dem sich Schauspielerin Judi Dench, 91, offenbar anschließen kann. Sie übernahm im Film die Rolle der altehrwürdigen Katzenmatriarchin Alt Deuteronimus. »Oh Gott, ich kann es nicht ertragen«, schreibt Dench in ihren bald erscheinenden Memoiren »Is It Too Late to Make a Run for It?«, die sie gemeinsam mit dem befreundeten Schauspielkollegen Brendan O’Hea verfasst hat (mehr dazu hier). Unter anderem der »Guardian« zitiert bereits daraus. Lloyd Webber habe so lange auf eine Kinoversion seines Musicals gewartet, so Dench: »Was für eine Verschwendung von gutem Willen und Talent.«
Behalten Sie den Überblick: Jeden Werktag gegen 18 Uhr beantworten SPIEGEL-Autorinnen und -Autoren die wichtigsten Fragen des Tages im Newsletter »Die Lage am Abend« – hintergründig, kompakt, kostenlos. Hier bestellen Sie Ihr News-Briefing als Mail.
Sie selbst habe die endgültige Fassung nie gesehen, schreibt Dench demnach weiter. Sie könne sich also eigentlich kein Urteil erlauben. Sie wolle aber sagen: »Niemand startet mit der Absicht, eine schlechte Leistung abzuliefern oder einen schlechten Film zu drehen.« Sie selbst habe von Anfang an kein gutes Gefühl gehabt. »Ich habe mich in dieser Rolle einfach nicht wohlgefühlt.«
Immerhin erwähnt Dench auch ein paar positive Seiten der Dreharbeiten: Sie habe am Set Taylor Swift kennengelernt (sie übernahm in »Cats« ebenfalls eine Rolle). Und sie habe am letzten Drehtag von ihrem Kollegen Jason Derulo 50 unvergängliche, goldfarben besprühte Rosen bekommen.
Regisseur und Oscarpreisträger Tom Hooper, der unter anderem für den preisgekrönten Film »The King’s Speech« verantwortlich war, hatte für den Musicalstreifen Stars wie Dench und Swift, Idris Elba, Jennifer Hudson und Ian McKellen vor die Kamera geholt und per Computertechnik zu Katzen-Mensch-Hybriden machen lassen. Bei der Verleihung der Hollywood-Schmähpreise »Goldene Himbeere« bekam »Cats« gleich sechs Auszeichnungen.
Schon ein Jahr nach der Filmveröffentlichung hatte Dench ihr Fellkostüm mit den Worten beschrieben, es hätte ausgesehen, als würden »fünf Füchse auf meinem Rücken vögeln«. Der britische Starkomponist Lloyd Webber hielt sich ebenfalls nicht zurück: Der Film sei »komplett daneben« gewesen, sagte er 2021. Die Erfahrung habe ihn so »emotional mitgenommen«, dass er sich einen Hund anschaffte, um sich davon zu erholen (mehr hier).