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Automatisiertes Fahren: Volvo plant L2++ will Kunden vor Kauf eine Testphase anbieten
Volvo will noch vor 2030 das automatisierte Fahren nach Level 2++ mit Nvidia auf die Straße bringen. Die Funktion soll Fahrten von Parkplatz zu Parkplatz ermöglichen und nicht nur teuren Ausstattungsvarianten vorbehalten bleiben. Kunden sollen das Assistenzsystem vor dem Kauf ausprobieren können, wie Volvo im Gespräch erklärte.
Die geplante L2++-Funktion soll das freihändige Fahren von Parkplatz zu Parkplatz ermöglichen, wobei der Fahrer weiterhin das Verkehrsgeschehen überwachen muss. Im Gespräch mit ComputerBase auf der Nvidia GTC in Berlin erläuterte Alwin Bakkenes, Head of Software Engineering bei Volvo Cars, wie das System umgesetzt werden soll und welche Rolle die Fahrzeughardware dabei spielt.
Die neue Fahrfunktion soll Stadtverkehr, Landstraßen und Autobahnen abdecken. Der Fahrer soll lediglich ein Ziel festlegen und das System aktivieren müssen. Die Bezeichnung L2++ steht dabei für eine erweiterte Form der SAE-Automatisierungsstufe 2: Das Fahrzeug übernimmt umfangreiche Fahraufgaben, die Verantwortung für die Überwachung bleibt jedoch beim Fahrer.
„Wir wollen mit L2++ beginnen, das eine sehr breite Palette an Fahrszenarien abdeckt, aber wir wollen den Fahrer bewusst in der Verantwortung halten“, erklärte Bakkenes. Ein konkreter Produktname stehe noch nicht fest.
Volvo verfolgt damit zunächst einen Ansatz, bei dem der Mensch weiterhin in den Fahrprozess eingebunden bleibt. Eine spätere Weiterentwicklung in Richtung „Eyes off“ und „Mind off“ ist Teil der gemeinsamen Ambitionen mit Nvidia. Einen konkreten Zeitplan oder ein bereits festgelegtes Serienprodukt für diese höheren Automatisierungsstufen nannte Bakkenes jedoch nicht.
Für höhere Automatisierungsstufen wären zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen und gegebenenfalls weitere Hardware erforderlich. Volvo setzt nach Aussage von Bakkenes bereits bei L2++ auf redundante Stromversorgung sowie redundante Systeme für Lenkung und Bremsen. Eine redundante Rechenplattform sei für diese Funktion hingegen nicht notwendig.
Noch offen ist, wie Volvo die neue Funktion vermarkten wird. Das Unternehmen hat sich weder auf einen einmaligen Kaufpreis noch auf ein Abonnement festgelegt. Bakkenes bestätigte im Interview allerdings, dass Kunden das System vor dem Kauf ausprobieren können sollen.
„Wir wollen das auch als Test vor dem Kauf verfügbar machen“, sagte der Entwicklungschef. Die technische Grundlage dafür soll eine möglichst einheitliche Ausstattung über unterschiedliche Fahrzeugvarianten hinweg bilden. Volvo will die Funktion damit nicht ausschließlich an besonders teure Topmodelle oder Ausstattungspakete knüpfen.
Das könnte es ermöglichen, die Hardware bereits beim Fahrzeugkauf vorzusehen und die eigentliche Fahrfunktion später freizuschalten. Wie lange eine Testphase dauern soll, welche Kosten nach deren Ablauf anfallen und ob Volvo neben einem Kauf auch ein Abonnement anbieten wird, ist noch nicht bekannt.
Die technische Basis soll unter anderem im neuen EX60 zum Einsatz kommen. Volvo verbaut dort nach Angaben von Bakkenes einen Nvidia Orin X als zentrale Rechenplattform. Auch das sicherheitszertifizierte Betriebssystem Halos OS gehört zur Architektur.