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"Nur ein toter Bandit ist ein guter Bandit" - Wahlkampf in Brasilien
Brasiliens Wähler sehen Gewalt und Kriminalität als das größte Problem im Land. Die Macht der Banden wird immer größer. Die Kandidaten bei der Stichwahl ums Präsidentenamt heute stehen dabei für unterschiedliche Lösungen.
Es ist noch dunkel, als am 28. Oktober 2025 Hunderte Polizisten in die Favelas Complexo da Penha und Complexo do Alemão in Rio de Janeiro eindringen. Schon bald brennen Barrikaden, fallen Schüsse. Es sind Szenen wie im Krieg. Mitglieder der mächtigen Drogenorganisation Comando Vermelho leisten mit schweren Waffen und sogar Granaten massiven Widerstand.
Vor allem im bewaldeten Hügelgebiet oberhalb der Favelas kommt es zu heftigen Gefechten. Was dort genau geschieht, ist bis heute nicht vollständig geklärt - Ermittlungen zum Einsatz laufen. Es geht unter anderem um die Frage, ob die Polizei unverhältnismäßige oder rechtswidrige Gewalt angewendet hat.
Am Ende des Einsatzes sind 122 Menschen tot, darunter fünf Polizisten. Es ist der tödlichste Polizeieinsatz in der Geschichte Brasiliens. Die Behörden erklären die 117 Toten zu Mitgliedern des organisierten Verbrechens, in bislang einem Fall ist das umstritten.
Lula oder Bolsonaro - beide Präsidentschaftskandidaten liegen vor der Stichwahl in Brasilien gleichauf.
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Für die einen ist die Operation ein Erfolg im Kampf gegen die Drogenbanden. Für andere ist es ein Massaker, bei dem der Staat seine Macht missbraucht hat.
Tauã Brito hat dabei ihren 20-jährigen Sohn Wellington verloren. Sie scrollt durch alte Textnachrichten. Bis 8.22 Uhr am Morgen tauschen sie Nachrichten aus. Dann bricht der Kontakt ab. Brito weiß, dass ihr Sohn kriminell war. Sie sagt, sie habe ihn zweimal verloren: erst an die Drogenbande, dann durch die Polizei.
"Richtig wäre, dass ich meinen Sohn im Gefängnis besuchen müsste, nicht dass ich ihn begraben musste", sagt sie. Brito mache sich Vorwürfe, dass sie nicht verhindern konnte, dass ihr Sohn sich der Drogenbande angeschlossen hat.
Taua Brito verlor bei einem Polizeieinsatz ihren Sohn. Viele befürworten die Einsätze gegen Banden in Brasilien.
Aber wo der Staat kaum Bildung und Zukunftschancen bietet, gewinnen kriminelle Organisationen an Anziehungskraft. Viele sehen die Favelas aus Ausgangspunkt der Kriminalität, aber das stimme nicht, meint Brito. "Wer verkauft die Waffen, wer bringt die Drogen? Ein korruptes Netzwerk aus Unternehmern, Politikern und Polizisten stehen an der Spitze", sagt sie, getötet würden die am unteren Ende.