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Echter Nachthimmel: Vincent van Goghs „Sternennacht“ astronomisch datiert
Die „Sternennacht“ gehört zu Vincent van Goghs wichtigsten Werken. Unklar war, wie sehr sie auf echten Beobachtungen beruhte. Nun gibt es wohl eine Antwort.
Das weltberühmte Gemälde „Sternennacht“ von Vincent van Gogh zeigt den frühmorgendlichen Himmel über der französischen Gemeinde Saint-Rémy-de-Provence vor Sonnenaufgang um den 22. Juli 1889. Zu dieser Schlussfolgerung kommt zumindest ein südkoreanisches Forschungsteam nach jahrelanger Vorarbeit. Ihr Befund widerspricht bisherigen Arbeiten zur Datierung des Gemäldes, laut denen das Bild Wochen vorher entstanden ist. Im Rahmen der jetzt vorgestellten Arbeit hat das Team zudem die Sternenkonstellation in van Goghs Gemälde „Caféterrasse am Abend“ untersucht und kommt zu dem Schluss, dass es sich um das sogenannte „Sommerdreieck“ und damit die Sterne Deneb, Wega und Altair handeln könnte.
Wie das Forschungsteam um Elijah Jeong-hyun Kim jetzt erklärt, wurden die ersten astronomischen Analysen der „Sternennacht“ in den 1980er-Jahren durchgeführt. Weil deren Ergebnisse einander aber widersprochen haben, hätten sie „die gängigen religiösen und symbolischen Interpretationen“ nicht abgelöst. Kim selbst habe sich des Themas angenommen, weil er die gängige Interpretation der Sternengruppe in dem Gemälde nicht für schlüssig gehalten habe. Dieser zufolge handelt es sich um das Sternbild Widder, für ihn als Astronomen handle es sich aber augenscheinlich um die Hyaden im Sternbild Stier. Um das zu beweisen, hat der CEO einer Teleskopfirma und Doktorand an der privaten Kyung-Hee-Universität 2019 zwei Reisen nach Frankreich unternommen und nach Anhaltspunkten für seine Interpretation gesucht.
Als wichtigster Bezugspunkt für die Datierung des Gemäldes habe bislang ein Brief gegolten, den van Gogh um den 18. Juni 1889 an seinen Bruder geschrieben hat und in dem er das Bild erwähnt. Der abnehmende Dreiviertelmond, der zu diesem Zeitpunkt zu sehen war, könne jedoch nicht als Erklärung für die Mondsichel der „Sternennacht“ dienen, schreibt das Team. Gegen das Datum im Juli sprach bislang, dass van Gogh zu dieser Zeit einen Anfall gehabt haben soll. Anhand von Originalbriefen, zeitgenössischer Wetteraufzeichnungen und der Erwähnung von Zikaden kommt das Team aber zu dem Schluss, dass der Anfall erst Ende Juli einsetzte. Dem 22. Juli stünde nichts mehr entgegen. Das Blickfeld des Gemäldes habe man vor Ort rekonstruieren können und sogar die genaue Stelle entdeckt, an der van Gogh es gemalt haben dürfte. Zusammen deute das darauf hin, dass das Bild auf tatsächlichen Beobachtungen und nicht auf reiner Fantasie beruhe.
Die „Sternennacht“ von van Gogh gehört zu dessen wichtigsten Gemälden, entstanden ist es während seines Aufenthalts in der Nervenheilanstalt Saint-Paul-de-Mausole. Beim Museum of Modern Art in New York, wo das Werk ausgestellt wird, heißt es, dass es auf Beobachtungen beruhe und zugleich deutlich davon abweiche. Der Künstler habe der Nacht und der Natur eine emotionale Sprache verliehen, „die sie weit von ihrem tatsächlichen Erscheinungsbild entfernt“. Das Museum schreibt zudem, dass der Künstler Teile des dargestellten Nachthimmels wie beobachtet wiedergegeben, bestimmte Formen aber verändert habe. Das MoMA selbst datiert das Gemälde auf Mitte Juni 1889. Teio Meedendorp vom Van Gogh Museum in Amsterdam hat der neuen Datierung bereits deutlich widersprochen: Das Entstehungsdatum stehe eindeutig fest, und es sei nicht das in der Studie behauptete.
Die Forschungsgruppe arbeitet derweil nach eigener Aussage daran, weitere Darstellungen des Sternenhimmels von van Gogh zu datieren. Kim drückt seine Hoffnung aus, dass die Forschungsarbeit „zu einer neuen, interdisziplinären Betrachtung der Entstehungsreihenfolge und der Arbeitsweise der Gemälde aus Saint-Rémy sowie zu van Goghs Reisen in jenem Sommer anregt“. Er selbst hat demnach bereits 2025 ein populärwissenschaftliches Buch zu der Thematik veröffentlicht, auf dem die Studie aufbaut. Im Rahmen der Forschungsarbeit hat sich sein Team w