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Warum genießen Menschen mit psychopathischen Zügen Angst?
Gruselige Szenen lösen nicht bei allen Menschen dieselben Gefühle aus. Personen mit stärker ausgeprägten psychopathischen Persönlichkeitszügen bewerten solche Videoclips einer neuen Studie zufolge positiver und oftmals weniger unangenehm. Für die geringere Angst könnte das Gefühl mitverantwortlich sein, selbst kaum verletzbar zu sein. Reine Langeweile erklärt die Freude am Grusel dagegen offenbar nicht.
St. Catharines (Kanada). Angst warnt vor möglichen Gefahren und kann Menschen davon abhalten, unnötige Risiken einzugehen. Doch körperliche Erregung muss nicht ausschließlich als unangenehm erlebt werden. Was dem einen beim Betrachten einer gruseligen Szene Angst macht, kann bei einem anderen einen angenehmen Nervenkitzel auslösen.
Schon frühere Untersuchungen haben Hinweise darauf geliefert, dass Menschen mit stärkeren psychopathischen Zügen Furcht anders bewerten. Dabei handelt es sich unter anderem um Merkmale wie Gefühlskälte, manipulatives Verhalten und Impulsivität. Ob solchen Menschen die Fähigkeit zur Angst fehlt oder ob sie angstauslösende Situationen vielmehr als angenehm interpretieren, ist bislang umstritten.
Forscher der Brock University um Prof. Angela Book haben nun zwei Untersuchungen durchgeführt, um einen möglichen Grund für diese Unterschiede zu finden. Sie prüften, ob sich der Zusammenhang durch ein ausgeprägtes Gefühl der Unverwundbarkeit oder durch eine besondere Neigung zur Langeweile erklären lässt.
Im ersten Untersuchungsteil befragte das Team insgesamt 825 Personen, darunter 425 Studierende und 400 über eine Online-Plattform angeworbene Erwachsene. Fragebögen erfassten die Ausprägung psychopathischer Persönlichkeitszüge und wie sicher sich die Teilnehmer in potenziell gefährlichen Situationen fühlten. Anschließend sahen sie aus der Ich-Perspektive jeweils etwa drei Minuten lange Videos einer Achterbahnfahrt und eines Horror-Computerspiels.
Nach jedem Video bewerteten die Teilnehmer, wie stark sie negative Gefühle wie Panik oder Angst und positive Gefühle wie Begeisterung empfunden hatten. Dabei zeigte sich in beiden Gruppen ein ähnliches Muster. Bei stärker ausgeprägten psychopathischen Zügen wurden die furchtauslösenden Spielszenen positiver bewertet. Der Zusammenhang mit weniger negativen Gefühlen war schwächer und nicht in allen Analysen statistisch eindeutig.
Die Forscher überprüften anschließend mit statistischen Modellen, ob das Gefühl der eigenen Unverwundbarkeit den Zusammenhang erklären könnte. Tatsächlich gingen höhere Psychopathie-Werte mit einem stärkeren Unverwundbarkeitsgefühl einher. Dieses erklärte statistisch einen Teil des Zusammenhangs zwischen psychopathischen Zügen und schwächeren negativen Reaktionen auf die Horrorszenen.
Anders sah es bei den positiven Gefühlen aus. Zwar beschrieben Teilnehmer mit höheren Psychopathie-Werten das Gruselvideo häufiger als aufregend. Dass sie sich selbst für besonders unverletzlich hielten, erklärte diesen Zusammenhang im ersten Untersuchungsteil aber nicht.
In einer zweiten Untersuchung mit weiteren Studierenden testete das Team zusätzlich eine andere mögliche Erklärung. Menschen, die sich schnell langweilen, suchen möglicherweise häufiger nach aufregenden Erfahrungen und könnten deshalb auch mehr Freude an angstauslösenden Situationen empfinden. Die Teilnehmer beantworteten dafür neben den bisherigen Fragebögen eine Skala zur Neigung, Langeweile zu erleben.
Erneut hingen stärker ausgeprägte psychopathische Züge sowohl mit weniger negativen als auch mit mehr positiven Bewertungen des Gruselvideos zusammen. Das Unverwundbarkeitsgefühl erklärte statistisch wiederum einen Teil des geringeren Unbehagens. Im zweiten Untersuchungsteil zeigte sich darüber hinaus ein schwacher entsprechender Zusammenhang mit den positiven Gefühlen, der im ersten Teil noch gefehlt hatte.