// LINUXNEWS.DE — LINUX & OPEN SOURCE
r/opensource schließt KI-Projekte aus
Die Reddit-Community r/opensource hat neue Regeln eingeführt, die Projekte mit KI-Bezug weitgehend ausschließen. Die am 24. Oktober veröffentlichten Bestimmungen betreffen nicht nur Software, die mithilfe künstlicher Intelligenz entwickelt wurde, sondern auch Anwendungen, die KI-Funktionen nutzen oder ausdrücklich für den Einsatz mit KI vorgesehen sind. Die Entscheidung hat innerhalb der Community eine kontroverse Diskussion ausgelöst.
In seinem Beitrag mit dem Titel Your tokens aren’t valuable: No more AI erklärt Moderator Wolvereness, dass künstliche Intelligenz in ihrer gegenwärtigen Form nicht mit den Werten der Open-Source-Community vereinbar sei. Die Moderation reagiert damit auf eine wachsende Zahl minderwertiger, häufig weitgehend KI-generierter Projekte, die unter dem Schlagwort AI Slop diskutiert werden.
Die neuen Regeln gehen allerdings deutlich über ein Verbot KI-generierter Inhalte hinaus. Projekte dürfen künftig nur noch vorgestellt werden, wenn sie seit mindestens einem Jahr aktiv gepflegt werden, mehrere Mitwirkende haben und bereits über eine eigene Community verfügen. Als Richtwert nennt die Moderation mindestens drei Entwickler. Auch typische Einsteigerprojekte wie einfache Notizprogramme oder PDF-Betrachter sollen nicht mehr zugelassen werden. Aufrufe zur Mitarbeit an Projekten sind ebenfalls unerwünscht.
Zusätzlich müssen Reddit-Konten mindestens ein Jahr bestehen und eine nennenswerte Aktivität vorweisen. Besonders umstritten ist eine weitere Bestimmung, nach der Nutzer ohne ausreichende Englischkenntnisse auf andere Communities ausweichen sollen. Die Moderation begründet dies damit, dass sich KI-generierte Texte nicht zuverlässig von KI-Übersetzungen unterscheiden ließen. Wer unerwünschte LLM-Ausgaben veröffentlicht, muss mit einem dauerhaften Ausschluss rechnen.
In der Diskussion weisen zahlreiche Nutzer auf die Widersprüche der neuen Regeln hin. So würde bei konsequenter Anwendung selbst der Linux-Kernel unter das Verbot fallen, da inzwischen auch KI-unterstützte Änderungen in die Kernel-Entwicklung einfließen. Moderator Wolvereness stellte allerdings klar, dass der Kernel seiner Einschätzung nach weiterhin zugelassen würde. Auch Software, die KI lediglich für einzelne Funktionen wie automatische Untertitel verwendet, könne Ausnahmen erhalten.
Kritiker bemängeln diese subjektive Abgrenzung. Zudem würden die Anforderungen an Projektalter und Entwicklerzahl gerade kleinere Open-Source-Projekte benachteiligen, die häufig von Einzelpersonen gepflegt werden. Aus Protest gegen die Entscheidung entstand bereits das alternative Subreddit r/trueopensource.
Die Entscheidung verdeutlicht einen wachsenden Konflikt innerhalb der Open-Source-Szene. Während KI-generierte Beiträge ohne ausreichende Prüfung tatsächlich eine erhebliche Belastung für Maintainer darstellen können, ist der grundsätzliche Ausschluss KI-unterstützter Entwicklung etwas anderes. Ob Software die Anforderungen an Open Source erfüllt, hängt schließlich von ihrer Lizenzierung und den damit verbundenen Freiheiten ab, nicht von den Werkzeugen, mit denen ihr Quellcode entstanden ist.
Dass ausgerechnet eine der bekanntesten Diskussionsplattformen für offene Software neben KI-Projekten auch zahlreiche Einzelentwickler und nicht englischsprachige Nutzer ausschließen will, wirft Fragen nach ihrem eigenen Verständnis von Offenheit auf.