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Cranberrysaft hemmt das Wachstum von Zahnbelag
Reiner Cranberrysaft könnte die Bakterien im Zahnbelag ausbremsen. In zwei kleinen Versuchen mit Kindern und Erwachsenen gingen nach kurzem Kontakt mit dem ungesüßten Saft sowohl das spätere Wachstum der Plaquebakterien als auch ihre Säureproduktion zurück. Ob das Getränk dadurch langfristig vor Karies schützt, ist bisher allerdings nicht geklärt.
Chicago (U.S.A.). Karies entsteht, wenn Bakterien im Zahnbelag Zucker abbauen und dabei Säuren freisetzen, die den Zahnschmelz angreifen. Die Mikroben leben in einer dicht besiedelten Schicht auf den Zahnoberflächen, einem sogenannten Biofilm. Wie stabil sich solche bakteriellen Zahnbeläge organisieren, beeinflusst auch ihre schädliche Wirkung.
Einige Pflanzenstoffe können die Aktivität solcher Mundbakterien im Labor verringern. Dazu zählen Proanthocyanidine aus Cranberrys, denen unter anderem eine hemmende Wirkung auf die Anheftung von Bakterien zugeschrieben wird. Ob ein handelsüblicher Saft ähnliche Veränderungen an natürlich gewachsenem Zahnbelag hervorruft, ist bislang weniger gut untersucht.
Forscher der University of Illinois Chicago (UIC) um Prof. Christine D. Wu haben deshalb untersucht, wie sich reiner Cranberrysaft auf die Stoffwechselaktivität von Zahnbelag auswirkt. Im Mittelpunkt standen nicht bereits entstandene Zahnschäden, sondern das erneute Wachstum der Bakterien und die von ihnen gebildete Säure.
„So wie zuckerbedingte Schäden mit der Ernährung zusammenhängen, interessiert mich, wie die Lebensmittel und Getränke, die wir zu uns nehmen, helfen können, schädliche Bakterien zu bekämpfen und unsere Mundgesundheit zu fördern“, erklärt Wu.
Dafür hat das Team zwei voneinander unabhängige randomisierte Crossover-Versuche durchgeführt, an denen acht Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren sowie 14 Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren teilnahmen. In getrennten Durchgängen probierte jeder Teilnehmer drei Getränke aus: reinen Cranberrysaft ohne zugesetzten Zucker, ein gesüßtes Getränk mit 27 Prozent Cranberrysaft und Wasser als Kontrolle.
„Es war uns wichtig, diese Tests mit menschlichen Teilnehmern und handelsüblichen Produkten durchzuführen. Die meisten Studien zu Cranberrysaft wurden mit im Labor hergestelltem Cranberryextrakt durchgeführt. Außerdem wurden bisher nur wenige Studien mit Kindern vorgenommen“, erklärt Wu.
Vor jedem Durchgang entnahmen die Forscher Zahnbelag von einer Mundseite. Anschließend behielten die Teilnehmer dreimal jeweils zehn Milliliter ihres Testgetränks für rund 30 Sekunden im Mund und schluckten es dann. Eine halbe Stunde später wurden Proben von der anderen Mundseite gewonnen. Zwischen den Durchgängen lagen jeweils drei Tage.
Die Forscher stellten anschließend im Labor die Menge des Bakterienmaterials in den Proben vergleichbar ein. Danach prüften sie über zwei und vier Stunden, wie stark die Mikroben erneut wuchsen und wie viel Säure sie nach der Zugabe von Zucker produzierten. Die entscheidenden Messwerte stammen somit aus einem Labortest mit zuvor im Mund behandeltem Zahnbelag.
Nach vier Stunden war das erneute Bakterienwachstum in den Proben nach Kontakt mit reinem Cranberrysaft bei Erwachsenen im Mittel um rund 44 Prozent vermindert. Bei Kindern lag die Verringerung bei rund 33 Prozent. Grundlage des Vergleichs waren jeweils die vor dem Getränk entnommenen Proben. Auch gegenüber der Wasserkontrolle fiel die Wachstumshemmung statistisch signifikant aus.