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Digitalisierung geht in Industriestaaten mit höheren CO₂-Emissionen einher
Digitale Technologien sollen Wirtschaft und Alltag klimafreundlicher machen, etwa durch einen sparsameren Einsatz von Energie. Eine Langzeitauswertung der G20 zeigt nun jedoch, dass wachsende Internetnutzung und mehr Telefonanschlüsse statistisch mit höheren CO₂-Emissionen einhergingen. Ob die Digitalisierung selbst dafür verantwortlich ist, lässt sich aus den Daten nicht ableiten.
Raleigh (U.S.A.). Vernetzte Stromnetze, digitale Fabriken und Online-Dienste versprechen Effizienzgewinne, indem sie Abläufe besser steuern oder Wege einsparen. Zugleich benötigen Rechenzentren und Datennetze selbst Energie, während neue Anwendungen zusätzlichen Bedarf schaffen können. Wie sich beide Seiten in den Gesamtemissionen großer Volkswirtschaften niederschlagen, ist deshalb umstritten.
Forscher der King Faisal University (KFU) um Sami Alabdulwahab haben nun den Zusammenhang von Digitalisierung und CO₂-Ausstoß in G20-Volkswirtschaften untersucht. Dafür nutzten sie Weltbank-Daten für 1990 bis 2023 und erfassten Internetnutzung, Mobilfunk- und Festnetzanschlüsse sowie Emissionen. Die statistischen Modelle berücksichtigten außerdem das reale Bruttoinlandsprodukt und das Bevölkerungswachstum.
„Im Grunde wollten wir herausfinden, ob die Digitalisierung dazu beigetragen hat, die Kohlendioxidemissionen zu senken“, erklärt Dr. Eiman Aiyash von der North Carolina State University (NC State).
Die drei verwendeten Kennzahlen zeigten durchweg einen positiven, statistisch signifikanten Zusammenhang mit dem CO₂-Ausstoß. Das galt für den Anteil der Internetnutzer ebenso wie für die Zahl der Mobilfunk- und Festnetzanschlüsse. Auch nach Berücksichtigung von Wirtschaftsleistung und Bevölkerungswachstum blieb dieser Befund bestehen.
Das bedeutet nicht, dass ein zusätzlicher Anschluss unmittelbar eine bestimmte Menge CO₂ verursacht. Die Studie vergleicht Volkswirtschaften über die Zeit und kann gemeinsame Entwicklungen beobachten, aber keine Ursache nachweisen. Auch die Nutzung von Rechenzentren oder der Stromverbrauch digitaler Geräte wurden nicht direkt gemessen.
„Unsere Studie zeigt, dass die Digitalisierung nicht von sich aus grün ist: In den G20 geht der Ausbau der Informations- und Kommunikationstechnologie mit höheren CO₂-Emissionen einher“, sagt Prof. Ahmed S. Abou-Zaid von der Eastern Illinois University (EIU).
Um mögliche Vermittlungswege zu prüfen, trennten die Forscher in einer sogenannten Mediationsanalyse statistische Zusammenhänge in direkte und indirekte Anteile. Bei der Internetnutzung entfielen nach getrennten Berechnungen etwa 2,4 Prozent auf industrielle Aktivität und rund 4,3 Prozent auf Handel. Bei Mobilfunkanschlüssen erklärte der Handelsweg ungefähr 2,3 Prozent des Zusammenhangs.
Der überwiegende Anteil, je nach Modell etwa 96 bis 98 Prozent, ließ sich somit nicht über diese untersuchten Wege erklären. Das Team hält einen höheren Energiebedarf digitaler Infrastruktur für eine mögliche Erklärung. Diese Restgröße ist aber kein gemessener Anteil von Rechenzentren und belegt auch nicht, dass sie den zusätzlichen CO₂-Ausstoß ausgelöst haben.
Auch für eine gleichzeitige Verschiebung des Energiemixes fanden die Forscher keine statistisch signifikanten Hinweise. Die Verbreitung der digitalen Technik war weder mit dem Anteil fossiler Brennstoffe noch mit erneuerbaren Energien oder erneuerbarem Strom nachweisbar verknüpft. Im untersuchten Datensatz entfielen durchschnittlich rund 81 Prozent des gesamten Energieverbrauchs auf fossile Quellen.