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Atommüll: Weniger als fünf Prozent Deutschlands bleiben für Endlagersuche
Die Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll ist erheblich enger geworden. Nach neuen geologischen Auswertungen bleiben weniger als fünf Prozent der deutschen Landesfläche für weitere Untersuchungen im Rennen, während es 2025 noch rund 25 Prozent waren. Die Einstufung ist allerdings vorläufig und sagt noch nicht aus, wo das Endlager entstehen wird.
Peine (Deutschland). Auch nach dem Abschalten der letzten deutschen Atomkraftwerke im April 2023 bleibt die Frage ungelöst, wohin die stark strahlenden Abfälle langfristig gelangen sollen. Rund 27.000 Kubikmeter hochradioaktiver Abfall müssen so untergebracht werden, dass Mensch und Umwelt für eine Million Jahre geschützt bleiben. Der entscheidende Faktor dafür liegt tief im geologischen Untergrund.
Gesucht wird eine Gesteinsformation, die radioaktive Stoffe auch bei langfristigen Veränderungen möglichst zuverlässig zurückhält. Dabei kommen Steinsalz, Tongestein und Kristallingestein infrage, die sich unter anderem in ihrer Durchlässigkeit und mechanischen Stabilität unterscheiden. Nicht jede prinzipiell passende Gesteinsschicht erfüllt aber die gesetzlichen Mindestanforderungen.
Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat dafür Millionen geologischer Datensätze ausgewertet und ihren aktuellen Arbeitsstand aus repräsentativen vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen (rvSU) veröffentlicht. In diesem stufenweisen Verfahren werden die 90 Teilgebiete genauer untersucht, die 2020 zunächst als möglicherweise geeignet galten. Die neue Auswertung umfasst erstmals alle diese Teilgebiete.
Im Jahr 2020 galten rund 54 Prozent der deutschen Landesfläche als prinzipiell interessant. Noch 2025 bearbeitete die BGE etwa ein Viertel des Bundesgebiets, nun umfasst die weiter betrachtete Fläche weniger als fünf Prozent. Nach dem jüngsten Arbeitsstand werden noch 36 der ursprünglichen 90 Teilgebiete im Rahmen der vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen weiter untersucht.
Aus der laufenden Suche ausgeschieden sind damit auch Berlin, Hessen und Sachsen. Das Saarland war bereits 2020 aus dem Verfahren gefallen, Rheinland-Pfalz folgte 2025. Weiter bearbeitete Flächen liegen nach Angaben der BGE unter anderem in Nord- und Nordwestdeutschland sowie in Ost- und Süddeutschland. Diese Gebiete sind bislang keine festgelegten Endlagerstandorte.
Die BGE bewertet den Untergrund anhand von vier aufeinanderfolgenden Prüfschritten und ordnet die Flächen unterschiedlichen Eignungskategorien zu. Bereits in den ersten Schritten können ungeeignete Gesteinsformationen oder Gebiete mit ungünstiger geologischer Struktur ausscheiden. Später werden weitere Merkmale untersucht, die für den langfristigen Einschluss radioaktiver Stoffe wichtig sind.
Eine gute Bewertung genügt dabei noch nicht für die weitere Auswahl. Gebiete der Kategorie B sind zwar grundsätzlich gut geeignet, werden aber nicht weiterverfolgt, weil sich die BGE auf die bestbewerteten Flächen der Kategorie A konzentriert. Die auf der aktuellen Karte türkis dargestellten Flächen müssen noch zusätzliche Prüfschritte durchlaufen. Türkis bedeutet daher nicht, dass ihre Sicherheit bereits abschließend nachgewiesen wäre.
Wie sich die Einstufungen unterscheiden, zeigt der veröffentlichte Steckbrief zum Teilgebiet Mitteljura (Opalinuston) in Süddeutschland. Dort wurden rund 15 Prozent der Fläche als ungeeignet und 60 Prozent als gering geeignet oder ungeeignet eingestuft. Die übrigen rund 25 Prozent gehören zur gut geeigneten Kategorie B und bleiben trotzdem außerhalb der weiteren Auswahl.
Auch die gesetzlichen Mindestanforderungen setzen Grenzen. Für die drei grundsätzlich zulässigen Wirtsgesteine Steinsalz, Ton und Kristallingestein muss beispielsweise die Obergrenze des einschlusswirksamen Gebirgsbereichs in der Regel mindestens 300 Meter unter der Erdoberfläche liegen. Entscheidend sind außerdem ausreichende Gesteinsmächtigkeit und möglichst geringe Wasserbewegungen im einschließenden Gestein.