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Sperbergeier nutzen 16 spezielle Laute, etwa für die Paarung
Von wegen stille Aasfresser: Sperbergeier verfügen über 16 beschriebene Rufarten, wie die Analyse von 2.500 Lautäußerungen zeigt. Einige begleiten Streit um Nahrung und die Paarung, andere kommen bereits aus dem Ei. Das vielfältige Repertoire könnte mit ihrem ausgeprägten Sozialleben zusammenhängen, denn die Tiere müssen sich in dicht besetzten Kolonien verständigen.
Utrecht (Niederlande). Wer einen Geier im Gleitflug beobachtet, hört wenig von ihm. Lange galten auch Sperbergeier (Gyps rueppelli) als Vögel mit einer überschaubaren Auswahl einfacher Rufe. Doch in ihren Brutkolonien, an Aas und beim Aufziehen der Jungen treffen sie immer wieder auf Artgenossen. Dann ist Kommunikation gefragt.
Die afrikanischen Greifvögel leben in teils großen Kolonien und bilden Gruppen mit Rangordnungen. Vor allem an Kadavern konkurrieren zahlreiche Tiere gleichzeitig um Nahrung. Ein differenziertes System aus Rufen könnte helfen, solche Begegnungen zu steuern. Wie vielfältig es tatsächlich ist, blieb bisher weitgehend offen.
Forscher der Utrecht University (UU) um Connor Proudfoot haben deshalb die Verständigung der Sperbergeier systematisch untersucht. In zwei niederländischen Tierparks zeichneten sie zwischen September 2024 und Mai 2025 rund 150 Stunden lang Laute und Verhaltensweisen von insgesamt 35 Geiern auf. Dabei erfassten sie 2.500 Lautäußerungen, die sie anschließend nach Tonhöhe, Dauer und Klangaufbau auswerteten.
Die Analysen enthüllten 16 unterscheidbare Rufarten, deren Klang von der jeweiligen Situation abhängt. Manche Laute lassen sich klar voneinander abgrenzen. Andere gehen allmählich ineinander über und verändern sich beispielsweise in Länge oder Tonfolge. Die Kommunikation der Geier besteht demnach nicht nur aus einer festen Sammlung unveränderlicher Signale.
„Dass die Rufe ineinander übergehen, zeigt, wie flexibel die Vögel kommunizieren. Beispielsweise können sie damit nicht nur ausdrücken, dass sie aufgeregt sind, sondern auch, wie stark ihre Aufregung ist“, erklärt Connor Proudfoot.
Ein Vergleich verdeutlicht die Größenordnung: In einer früheren Untersuchung von mehr als 800 Vogelarten lag die durchschnittliche Zahl der Rufarten bei sechs bis acht. Sperbergeier verfügen damit über ein überdurchschnittlich breites Repertoire. Die genaue Zahl ist allerdings nicht völlig starr, weil manche Rufe akustisch fließend ineinander übergehen.
Besonders vielfältig äußerten sich die Sperbergeier bei Konkurrenz um Futter. Für diese Situationen dokumentierte das Team neun Rufarten, von denen fünf nur dort vorkamen. Wer ein Stück Aas verteidigte, zischte häufig oder verband das Zischen mit pfeifenden Tönen. Ein Artgenosse, der an das Futter gelangen wollte, antwortete hingegen oft mit lauten, an Eselsrufe erinnernden Lauten.
Auch bei der Paarung besitzen die Geier einen charakteristischen Ruf. Das auf dem Partner sitzende Männchen erzeugte wiederholt tiefe, heisere Stöhnlaute, die noch aus mindestens 20 Metern Entfernung zu hören waren. Bei den beobachteten Paarungen registrierten die Forscher diese Laute ausschließlich von den Männchen. Ob benachbarte Paare darauf reagieren, wurde nicht untersucht.
Einige der Rufe sind so variabel, dass sie an die akustische Verständigung sozialer Säugetiere erinnern. Das bedeutet allerdings nicht, dass Geier und Affen dieselbe Art von Sprache besitzen.