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Satellit Sentinel-6B ist bereit für die langfristige Meeresspiegelmessung
Messgenauigkeit aus dem All: Der Ozeansatellit Sentinel-6B hat den Abgleich mit seinem Vorgänger bestanden. Unterschiede bei der gemessenen Meereshöhe liegen im Millimeterbereich und innerhalb der Messunsicherheit. Damit kann die Mission die lange Beobachtungsreihe zum globalen Meeresspiegel fortführen. Zusätzlich sind neue Daten für Ozeanmodelle und Sturmprognosen verfügbar.
Darmstadt (Deutschland). Der steigende Meeresspiegel gehört zu den wichtigsten Indikatoren des Klimawandels. Doch um seine Entwicklung über Jahrzehnte zuverlässig zu verfolgen, müssen die Messwerte verschiedener Satellitengenerationen zusammenpassen. Schon kleine systematische Abweichungen könnten den langfristigen Trend verfälschen.
Deshalb wird jeder neue Referenzsatellit zunächst mit seinem Vorgänger abgeglichen. Für Sentinel-6B liegt nun eine positive Bewertung vor: Seine Daten stimmen eng mit den Messungen anderer Satelliten überein. Außerdem werden seit Juli 2026 bereits zeitnahe Ozeandaten für weitere Anwendungen bereitgestellt.
Der am 17. November 2025 gestartete Satellit fliegt in rund 1.336 Kilometern Höhe um die Erde. Er folgt seinem Vorgänger Sentinel-6 Michael Freilich auf derselben Bahn mit ungefähr 30 Sekunden Abstand. Beide können dadurch nahezu zeitgleich dieselben Meeresgebiete vermessen, sodass sich mögliche Unterschiede gezielt aufspüren lassen.
Bei diesem Vergleich weichen die ermittelten Entfernungen und Meeresspiegelhöhen nur im Millimeterbereich voneinander ab. Die Differenzen liegen innerhalb der Messunsicherheiten, und auffällige geografische Abweichungsmuster wurden nicht festgestellt. Auch der Abgleich mit dem französisch-amerikanischen Wassermesssatelliten Surface Water and Ocean Topography (SWOT) ergab eine gute Übereinstimmung. Auf Grundlage dieser Prüfungen wurde Sentinel-6B Ende Juni 2026 für den Betrieb und die spätere Übernahme der Referenzaufgabe als geeignet eingestuft.
Die weltweite Höhenmessung der Ozeane aus dem All reicht bis zum Satelliten Topex/Poseidon im Jahr 1992 zurück. Später wurde sie mit der Jason-Reihe und schließlich mit Sentinel-6 Michael Freilich fortgesetzt. Sentinel-6B soll diese Messreihe ohne Bruch weiterführen und damit langfristige Veränderungen der Meeresoberfläche vergleichbar halten.
Dafür verwendet der neue Satellit das Radarhöhenmessgerät Poseidon-4. Es sendet Signale zur Meeresoberfläche und bestimmt aus deren Laufzeit zusammen mit der genauen Satellitenposition die Wasserhöhe. Ein Mikrowellenradiometer erfasst den störenden Einfluss von Wasserdampf in der Atmosphäre und ermöglicht entsprechende Korrekturen. Solche präzisen Messungen helfen, den Meeresspiegelanstieg durch die Erwärmung des Ozeans und Schmelzwasser von Gletschern und Landeis langfristig zu untersuchen.
Die Instrumente erfassen neben der Meereshöhe auch Wellenhöhe und Windgeschwindigkeit über dem Wasser. Aus den Veränderungen der Meeresoberfläche lassen sich zudem Rückschlüsse auf Strömungen und auf die Wärmeverteilung im Ozean ziehen. Diese Informationen sind für die Schifffahrt und für Modelle interessant, die unter anderem die Entwicklung tropischer Wirbelstürme abschätzen.
Seit Mitte Juli 2026 werden Sentinel-6B-Messdaten mit geringer zeitlicher Verzögerung bereitgestellt. Hinzu kommen Messungen der Atmosphäre, etwa zu Temperatur und Feuchte, die ebenfalls in Wettermodelle eingehen können. Ob die neuen Daten einzelne Sturmprognosen bereits messbar verbessern, ist jedoch noch nicht belegt. Die erfolgreiche Kalibrierung schafft vor allem die Voraussetzung dafür, die Daten langfristig und zuverlässig zu nutzen.