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Modern Warfare 4: Activision nutzt Bilder von echter tödlicher Katastrophe
Für die Darstellung eines fiktiven Krieges in Südkorea greift Call of Duty: Modern Warfare 4 auf echte Fernsehbilder der Itaewon-Katastrophe von 2022 zurück. Angehörige der 159 Todesopfer protestieren. Activision entschuldigt sich und will die Aufnahmen entfernen.
Die Szene ist Teil einer Nachrichtenmontage zu Beginn der Einzelspieler-Kampagne. Darin wird über die Folgen einer groß angelegten Invasion Nordkoreas in Südkorea berichtet. Zwischen den Bildern der erfundenen Kriegshandlungen sind auch Aufnahmen zu sehen, auf denen eine Rettungskraft versucht, einen am Boden liegenden Menschen wiederzubeleben. Rund drei Sekunden dauert dieser Ausschnitt.
Das Material stammt aus der Berichterstattung über das Unglück im Seouler Ausgehviertel Itaewon. Dort waren am 29. Oktober 2022 Zehntausende Menschen zu Halloween unterwegs. In einer engen, abschüssigen Gasse kam es zu einem Gedränge, aus dem viele Besucher nicht mehr entkommen konnten. 159 Menschen starben, zahlreiche weitere wurden verletzt. Die Aufnahmen zeigen Rettungsmaßnahmen im Anschluss an die Katastrophe. Im Spiel dienen sie dazu, zivile Opfer des fiktiven Krieges zu illustrieren.
Das neueste Call of Duty ist am 23. Oktober erschienen. Der Shooter erzählt von einer nordkoreanischen Invasion und Kämpfen auf der koreanischen Halbinsel. Auf die Herkunft des eingeblendeten Materials machten zunächst südkoreanische Spieler aufmerksam, wie Video Games Chronicle berichtet.
Am 28. Oktober wandten sich eine Vereinigung der Hinterbliebenen und eine Bürgerinitiative gegen die Verwendung der Bilder. Es sei unangemessen und unsensibel, Aufnahmen einer solchen Katastrophe für ein Unterhaltungsspiel einzusetzen. Die Gruppen forderten Activision auf, die Szene zu entfernen. Sie verwiesen auch darauf, dass Überlebende, Angehörige und Menschen, die damals bei der Rettung geholfen hatten, weiterhin unter den Folgen leiden.
Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP kritisierte eine Vertreterin der Hinterbliebenen, dass bei der Verwendung der Bilder weder auf den Schmerz der Angehörigen noch auf die Würde der Verstorbenen Rücksicht genommen worden sei. Die Proteste fielen unmittelbar mit dem vierten Jahrestag der Katastrophe zusammen.
Der Publisher erklärte zunächst, die Einbindung echter Nachrichtenbilder habe lediglich der Erzählung der fiktiven Handlung gedient. Die Katastrophe von Itaewon habe man weder gezielt aufgreifen noch verharmlosen wollen. Eine Zusage zur Entfernung gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Die folgte am 30. Oktober: Activision entschuldigte sich in einer an südkoreanische Medien übermittelten Stellungnahme bei den Betroffenen und ihren Familien. Wie die Nachrichtenagentur Yonhap berichtet, sollen die beanstandeten Aufnahmen mit einem für den 12. November angekündigten Update vollständig aus Modern Warfare 4 entfernt werden.
Wie die Bilder bei der Produktion ausgewählt wurden und ob ihre Herkunft den Verantwortlichen bekannt war, hat Activision bislang nicht erläutert. Die Hinterbliebenen begrüßten laut BBC Newsbeat die angekündigte Entfernung. Eine direkte Entschuldigung gegenüber ihrer Vereinigung sei bis dahin allerdings ausgeblieben.