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Probably Stolen: Erst war ich vom Cyberpunk-Ladensimulator begeistert, doch jetzt fühle ich mich wie ein dressierter Affe
Dieser Cyberpunk-Ladensimulator überrascht mit cleveren Ideen und einer Schrotflinte. Doch irgendwann fühlt sich der Job wie Arbeit an.
Was macht ihr, wenn ihr herausfindet, dass euer Kunde gar kein gewöhnlicher Mensch ist, sondern von einer außer Kontrolle geratenen KI gesteuert wird? Ganz einfach: Ihr greift zur Schrotflinte unter dem Ladentisch und erschießt ihn. Willkommen bei Probably Stolen: Cyberpunk Shopkeeper Sim, einem Spiel, in dem ihr eigentlich nur einen kleinen Laden betreiben und ein bisschen Geld verdienen möchtet. Aber in der dystopischen Zukunft gehen Einzelhandel und gelegentlicher Schusswaffengebrauch eben Hand in Hand.
Eine Mischung aus Papers, Please und Wirtschaftssimulation im Cyberpunk-Setting. Ihr handelt mit legalen und illegalen Waren und versucht, trotz steigender Kosten möglichst viel Gewinn zu machen. Dabei müsst ihr verdächtige Kunden durchschauen, zwischen rivalisierenden Fraktionen lavieren und immer wieder entscheiden, wie weit ihr für ein gutes Geschäft gehen möchtet.
Schauplatz ist eine heruntergekommene Raumstation, auf der Korruption, Kriminalität und soziale Ungleichheit zum Alltag gehören. Ihr betreibt hier ein kleines Geschäft, kauft Waren an und versucht, sie möglichst gewinnbringend weiterzuverkaufen. Dabei solltet ihr allerdings nicht allzu viele Fragen nach der Herkunft der Produkte stellen. Schließlich heißt das Spiel nicht Probably Legally Acquired.
Die Ausgangslage erinnert entfernt an Papers, Please. Auch hier stehen Menschen vor eurem Tresen, die etwas von euch wollen. Ihr prüft ihre Aussagen, trefft Entscheidungen und müsst mit den Konsequenzen leben. Nur geht es diesmal nicht um Einreisegenehmigungen, sondern um mehr oder weniger zwielichtige Geschäfte, gesuchte Verbrecher und gelegentlich um Leben und Tod.
Und was soll ich sagen? Nach einer halben Stunde hatte mich das Spiel am Haken. Nach zwei Stunden war ich begeistert. Nach drei Stunden konnte ich kaum glauben, wie viele neue Mechaniken es noch aus dem Hut zauberte. Nach etwa fünf Stunden fragte ich mich allerdings, ob ich eigentlich noch Spaß hatte oder längst nur Dienst nach Vorschrift schob.
Was Probably Stolen zunächst besonders gut macht, ist die Art, wie es euch an seine zahlreichen Mechaniken heranführt. Obwohl hier überraschend viele Systeme ineinandergreifen, werdet ihr zu keinem Zeitpunkt von den Möglichkeiten erschlagen. Statt euch gleich zu Beginn ein halbes Wirtschaftsstudium abzuverlangen, bringt euch das Spiel seine Regeln nach und nach bei.
Zunächst kümmert ihr euch um die Grundlagen des Geschäfts. Waren einkaufen, begehrte Produkte ins Schaufenster stellen, mit Kunden verhandeln und darauf achten, dass am Ende des Tages genug Geld übrig bleibt, um die Rechnungen zu bezahlen. Klingt überschaubar. Doch kaum habt ihr euch an die Abläufe gewöhnt, kommen neue Aufgaben hinzu.
Welche das sind und wie ihr euer Geschäft aufbaut, hängt auch von der Spezialisierung ab, für die ihr euch zu Beginn entscheidet. Ob Wasserhändler, Waffenschmied oder Chemiker: Jede Spezialisierung stellt euch vor andere Ausgangsbedingungen und versorgt euch mit unterschiedlichen Waren, Startkapital und Regeln. Das grundlegende Geschäftsprinzip bleibt zwar immer dasselbe – günstig einkaufen, teuer verkaufen –, doch der Weg zum wirtschaftlichen Erfolg unterscheidet sich zumindest in einigen Punkten.
Irgendwann erhaltet ihr beispielsweise eine Lupe, mit der ihr bestimmte Produkte genauer untersuchen könnt. Ist diese Zigarettenpackung echt? Handelt es sich bei den angebotenen Lebensmittelmarken um Originale oder um Fälschungen? Plötzlich reicht es nicht mehr, nur auf den Preis zu achten. Ihr müsst die Ware genau unter die Lupe nehmen, bevor ihr euch auf ein Geschäft einlasst.