// HEISE ONLINE — CYBERSECURITY
Investitionsbetrug: Bei Europol-Aktion mehr als 100 Server beschlagnahmt
In einer von Europol koordinierten Operation haben Strafverfolger am Dienstag mehr als 100 Server beschlagnahmt und Verdächtige verhaftet.
This article is also available in
English.
It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.
Eine internationale Operation mit Strafverfolgungsbehörden aus sieben Ländern unter Koordination durch Europol und Eurojust hat am Dienstag die Infrastruktur hinter einem Investitionsbetrugsschema zerschlagen. Mehr als 100 Server haben die Ermittler beschlagnahmt und sieben Verdächtige verhaftet. Opfer der Betrüger sollen aus mehr als 50 Ländern stammen.
Laut Europol übernahm die Staatsanwaltschaft Itzehoe die Leitung der Operation. Ziel war ein Unternehmen, das im Verdacht steht, kriminelle Banden mit betrügerischen Handelsplattformen im Web zu versorgen. Es stehe in Verbindung zu Callcenter-Betreibern, die angeblich Opfer überzeugten, ihr Erspartes auszuhändigen. Die Strafverfolger schätzen den Schaden auf mehr als 4 Millionen Euro.
Die Behörden durchsuchten am Dienstag 17 Orte und haben dabei Server, weitere Beweisstücke und Gegenstände beschlagnahmt. Sieben Verdächtige wurden auf Grundlage Europäischer Haftbefehle vorläufig festgenommen, sie sollen nach Deutschland ausgeliefert werden. Zudem schalteten die Behörden zahlreiche betrügerische Webseiten ab, wie aus der deutschen Pressemitteilung zur Aktion hervorgeht.
Dem Einsatz gingen vier Jahre an Ermittlungen und frühere Operationen in den Jahren 2022 und 2025 voraus. Die dabei gesicherten Beweismittel führten zu dem Unternehmen, das angeblich „Crime-as-a-Service“ von Israel und Zypern aus anbietet. Es konnten auch Verdächtige identifiziert werden, die betrügerische Callcenter in Albanien, dem Kosovo und Nordmazedonien betrieben.
Die Betrugsmasche startete mit Online-Werbung, die schnelle Gewinne mit Kryptowährungen, ausländischen Währungen oder Aktien versprach. Es handelt sich um Cybercrime. Hinter vermeintlich legitimen Plattformen haben die Broker fiktive Gewinne und andauernden psychischen Druck auf die Opfer genutzt, um diese zu weiteren Investitionen zu bringen. Dabei missbrauchten die Täter auch Affiliate-Marketing, erklärt Europol. Irreführende Werbung lenkte die Menschen auf betrügerische Investment-Plattformen. Die dabei gesammelten persönlichen Daten verkaufen sie dann an weitere kriminelle Gruppierungen, die die Callcenter betreiben. Diese kontaktieren die potenziellen Opfer und ködern sie mit angeblichen Investitionsmöglichkeiten. Die Broker verleiteten sie zunächst zum Transfer kleinerer Beträge. Danach wiesen die Konten fiktive Gewinne aus, was die Plattform glaubwürdig und das Investment erfolgreich aussehen lassen sollte. Dann machten die Broker Druck, dass die Opfer größere Beträge überweisen sollten.
Wollten Opfer dann Geld abheben, verzögerten die Betreiber die Auszahlungen mit Hinhaltetaktiken. Schließlich brachen sie den Kontakt ab, sodass die Opfer ihr Geld nicht zurückbekamen. Die Beschwerde eines deutschen Paares im Jahr 2022, das sein investiertes Geld nicht abheben konnte, brachte die Ermittler demnach auf die Spur der Täter. Im gleichen Jahr konnten zwei Verdächtige verhaftet und Beweise gesichert werden. Die Auswertung mit Unterstützung von Europol brachte die Ermittler auf sieben weitere Verdächtige, darunter mutmaßliche Callcenter-Manager. Bei einer zweiten Operation im vergangenen Jahr gab es weitere Festnahmen, zudem stellten die Ermittler Geld und weitere Beweise sicher, die die jetzige Aktion ermöglichten.
Ob Sicherheitslücken, Viren oder Trojaner – alle sicherheitsrelevanten Meldungen gibts bei heise security
Ausführliche Informationen zum Versandverfahren und zu Ihren
Widerrufsmöglichkeiten erhalten Sie in unserer
Datenschutzerklärung.