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So gefährdet der Meeresspiegelanstieg auch das Leben im Binnenland
Der Meeresspiegelanstieg bedroht nicht nur Orte unmittelbar an der Küste. Werden fruchtbare Tiefländer, Häfen oder Energieanlagen überflutet, können sich die Folgen bis weit ins Binnenland ausbreiten. Amtliche Berichte und wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, warum auch Lieferketten, öffentliche Haushalte und die Versorgung mit Lebensmitteln und Energie verwundbar sind.
Exeter (England). Städte und Dörfer am Meer gelten als besonders gefährdet, wenn die Ozeane steigen und Sturmfluten weiter landeinwärts vordringen. Doch die Küsten sind zugleich Standorte wichtiger Häfen, Kraftwerke und Anbaugebiete, von denen auch entfernte Regionen abhängen. Schäden können sich deshalb über Transportnetze, die Energieversorgung und die Preise in andere Landesteile ausbreiten.
Die Auswirkungen erreichen das Binnenland meist auf indirektem Weg. Nicht das Meerwasser selbst muss bis zu einem Haushalt vordringen, damit dessen Alltag betroffen ist. Es genügt, wenn Waren verspätet ankommen, Ernten ausfallen oder öffentliche Mittel für den Wiederaufbau und den Küstenschutz benötigt werden.
Nach Projektionen des Weltklimarats (IPCC) könnte der globale Meeresspiegel bis 2100 bei sehr niedrigen Treibhausgasemissionen um 28 bis 55 Zentimeter steigen. Bei sehr hohen Emissionen liegt die wahrscheinliche Spanne bei 63 bis 101 Zentimetern. Beide Angaben beziehen sich auf den Mittelwert der Jahre 1995 bis 2014 und beschreiben keine einheitliche Entwicklung an jeder einzelnen Küste.
Selbst bei raschen Emissionssenkungen würde der Meeresspiegel noch über viele Generationen weiter steigen, weil sich die Ozeane und die großen Eisschilde nur langsam an veränderte Temperaturen anpassen. Höhere Ausgangswasserstände verschärfen insbesondere bei Sturmfluten die Belastung von Deichen und anderen Schutzanlagen. Wie stark einzelne Regionen betroffen sind, hängt außerdem von den örtlichen Gegebenheiten und den vorhandenen Schutzsystemen ab.
Die Klimawissenschaftlerin Dr. Helen Millman von der University of Exeter verweist auf das ostenglische Tiefland der Fens als Beispiel für diese Abhängigkeit. Dort befindet sich fast die Hälfte der besten landwirtschaftlichen Flächen Englands, und die Region liefert etwa ein Drittel des in England erzeugten Gemüses. Große Teile liegen so niedrig, dass sie nur durch Entwässerungsgräben, Pumpwerke und Deiche dauerhaft genutzt werden können.
Dringt bei Überschwemmungen Salzwasser in Äcker und Böden ein, kann deren Ertragsfähigkeit längerfristig beeinträchtigt werden. Ein Ausfall dieser Anbauflächen würde nicht zwangsläufig leere Supermarktregale bedeuten, könnte aber das Angebot verringern und den Importbedarf erhöhen. Damit würden auch Menschen fern der bedrohten Flächen mögliche Preissteigerungen zu spüren bekommen.
Mehr als 80 Prozent des weltweiten Warenhandels werden nach Transportmenge über See abgewickelt, wie Handelsdaten der Vereinten Nationen zeigen. In Großbritannien werden nach amtlichen Angaben rund 85 Prozent des grenzüberschreitenden Güterverkehrs nach Gewicht per Schiff transportiert. Hafenstörungen betreffen deshalb nicht nur die jeweilige Küstenstadt, sondern auch Unternehmen und Verbraucher in weit entfernten Regionen.
Schon überflutete Zufahrtsstraßen, Bahnstrecken, Lagerhäuser oder Stromanschlüsse können den Umschlag behindern, selbst wenn die eigentlichen Kaianlagen unbeschädigt bleiben. Verzögerungen würden sich entlang der Lieferketten fortsetzen und könnten Warenknappheit oder höhere Transportkosten auslösen. Wie gravierend die Folgen ausfallen, hängt unter anderem von Ersatzrouten und der Dauer einer Unterbrechung ab.
An europäischen Küsten stehen zahlreiche Öl- und Gasterminals sowie Kernkraftwerke. Eine Facharbeit über diese Infrastruktur hat bereits vor mehr als einem Jahrzehnt gezeigt, wie Überflutungen und Extremereignisse Transport, Lagerung und Versorgung gefährden können. Schäden an Umspannwerken, Steuerungstechnik und Verkehrswegen könnten auch dann Strom und Brennstoffe verknappen, wenn ein