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Arkane-Aus wäre teurer als Marvel's Blade: Gewerkschaft warnt Xbox vor Studioschließung
Während Microsoft dem Studio eine Frist bis Dezember setzt und Ubisoft Interesse zeigt, fordert die Belegschaft 200.000 Euro Abfindung pro Kopf.
Xbox würde vermutlich mehr Geld dafür ausgeben, Arkane Lyon abzuwickeln, als Marvel's Blade fertigzustellen und zu veröffentlichen. Das erklärt eine Gewerkschaft, die die Belegschaft des beliebten Immersive-Sim-Studios vertritt.
In einer Stellungnahme auf der Webseite der STJV (Syndicat des travailleureuses du jeu vidéo) betont die französische Gewerkschaft, die Entwicklung von Marvel's Blade laufe "gut". Das Spiel schicke sich an, nahtlos an das hohe Niveau früherer Arkane-Hits anzuknüpfen. Mit dem Entschluss, sich von dem renommierten Studio zu trennen und es womöglich ganz dichtzumachen, "sabotiert Microsoft das Spiel, das das Unternehmen selbst finanziert hat", so der Vorwurf.
Das 1999 gegründete Studio Arkane Lyon erlangte mit Dishonored und Deathloop weltweiten Kultstatus im Genre der Immersive Sims. Nach der Übernahme des Mutterkonzerns ZeniMax durch Microsoft im Jahr 2021 arbeitet das Team derzeit an der Marvel-Adaption Blade.
Nach den massiven Entlassungswellen bei Xbox und dem Verkauf mehrerer First-Party-Studios erhielt Arkane kürzlich eine Frist bis Dezember, um einen neuen Käufer zu finden und die eigene Zukunft zu sichern. Ubisoft Entertainment (Assassin's Creed, Rainbow Six) zählt Berichten zufolge zu den Interessenten für das Team hinter Dishonored, Prey und der kommenden Comic-Adaption. In trockenen Tüchern ist bislang allerdings noch nichts.
Die Gewerkschaft macht Microsoft zudem für viele Probleme des Studios verantwortlich: Ein Einstellungsstopp von über einem Jahr trieb das Budget des Spiels offenbar unnötig in die Höhe und sorgte für zusätzliche Verzögerungen. "Microsoft nutzt nun genau diese Verzögerungen und Zusatzkosten als Vorwand, um das Studio zu schließen", heißt es in der Erklärung.
"Selbst die Schließung widerspricht jeder finanziellen Logik, da es heute wahrscheinlich teurer wäre, Arkane abzuwickeln, als das Spiel fertigzustellen", heißt es weiter. "In Wahrheit stützt Microsoft seine Entscheidung auf eine eiskalte, unmenschliche Logik. Unsere Leben, Projekte und Träume werden für nichtig erklärt, nur um kurzfristige Finanzziele von Microsoft zu bedienen [...]. Der Entschluss, Arkane zu schließen, entspringt einzig dem brutalen Streben nach maximaler Gewinnoptimierung. Arkane arbeitet profitabel. Nur eben nicht profitabel genug für Microsoft."
Der Forderungskatalog der Gewerkschaft verlangt unter anderem ein Mitspracherecht der Angestellten bei der Auswahl eines potenziellen Käufers sowie Schutz vor Kündigungen in den kommenden Jahren. Sollten die Übernahmegespräche scheitern, seien die Mittel in Microsofts Abfindungspaket laut Gewerkschaft "unverschämt niedrig". Sie fordert daher eine Abfindung von 200.000 Euro pro Kopf sowie weitere Unterstützungsmaßnahmen.
Arkane ist längst nicht das einzige Studio, das unter dem Rotstift von Xbox leidet. Zwar gelang es Double Fine (Psychonauts), Compulsion Games (South of Midnight) und Undead Labs (State of Decay), sich freizukaufen und ihre Unabhängigkeit zu sichern – doch auch sie mussten in der Folge Stellen abbauen. Bei Ninja Theory, den Machern von Hellblade, sieht die Lage derzeit ebenfalls düster aus.