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Covid-19-Stress beschleunigt bei Jugendlichen das epigenetische Altern
Spuren in der DNA: Jugendliche, die sich durch die Corona-Pandemie stärker belastet fühlten, zeigten auch einen stärkeren Anstieg eines epigenetischen Markers für das Alterungstempo. Das zeigt eine deutsche Langzeitstudie mit mehr als 1.000 Menschen. Ob daraus langfristige gesundheitliche Folgen entstehen, ist allerdings noch unklar.
München (Deutschland). Schulschließungen, Kontaktbeschränkungen und die Sorge vor einer Infektion haben den Alltag während der Corona-Pandemie grundlegend verändert. Besonders für Jugendliche fiel damit ein wichtiger Teil ihres sozialen Lebens weg, während sich zugleich ihr Körper entwickelte. Ob sich solche Belastungen auch in biologischen Altersmerkmalen niederschlagen, war bisher kaum erforscht.
Einen Hinweis darauf liefern sogenannte epigenetische Uhren. Sie erfassen Muster der DNA-Methylierung, also chemischer Markierungen am Erbgut, die mit dem Alter und der Genregulation zusammenhängen. Je nach Verfahren schätzen sie ein epigenetisches Alter oder das Tempo biologischer Alterungsprozesse, ohne damit bereits eine Erkrankung nachzuweisen.
Forscher des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie (MPI Psychiatrie) um Alicia M. Schowe haben nun wiederholt erhobene Speichelproben von 1.028 Teilnehmern der deutschen TwinLife-Studie untersucht. Darunter waren 359 Kinder, 385 Jugendliche und 284 junge Erwachsene, die zu Beginn im Mittel 9,5, 15,5 und 24,3 Jahre alt waren. Die erste Probe stammte aus der Zeit vor März 2020, die zweite aus September 2021 bis Mai 2022.
Aus den DNA-Methylierungsmustern berechnete das Team die Werte von vier verschiedenen epigenetischen Uhren. Zudem erfasste es, wie bedrohlich oder belastend die Teilnehmer die Pandemie wahrnahmen, sowie regionale Infektionszahlen und die Strenge der Maßnahmen. So ließ sich verfolgen, welche biologischen Veränderungen zwischen beiden Terminen auftraten und mit welchen Belastungen sie statistisch zusammenhingen.
Das zentrale Ergebnis: In allen drei Altersgruppen veränderten sich während des Untersuchungszeitraums bestimmte epigenetische Altersmarker in Richtung beschleunigten Alterns. Allerdings traf dies nicht auf alle vier Verfahren zu, und bei Kindern war nur eine der verwendeten Uhren signifikant auffällig. Besonders aufschlussreich war der Vergleich mit dem subjektiven Stressempfinden.
Nur bei Jugendlichen ging ein höheres Belastungsgefühl mit einem stärkeren Anstieg des mit DunedinPACE berechneten Alterungstempos einher. Bei Kindern und Erwachsenen ließ sich dieser Zusammenhang statistisch nicht absichern. Explorative Analysen deuteten darauf hin, dass vor allem die Trennung von wichtigen Menschen und eingeschränkte soziale Aktivitäten mit diesem Muster verbunden waren.
„Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass man in der Jugend besonders sensibel für die Auswirkungen von Stress sein könnte. Das kann an körperlichen Veränderungen in der Pubertät liegen, oder daran, dass Lockdown-Maßnahmen wie Einschränkungen beim Treffen von Gleichaltrigen diese Altersgruppe besonders stark belastet haben“, erklärt Alicia M. Schowe.
Ein weiterer Befund ging in die entgegengesetzte Richtung: In Regionen mit höheren Inzidenzraten zeigten Jugendliche nach einem anderen Messverfahren weniger epigenetische Altersbeschleunigung. Die Strenge der staatlichen Beschränkungen war dagegen nicht konsistent mit den Alterungsmarkern verknüpft. Die Unterschiede sprechen dafür, dass die Uhren nicht dieselben biologischen Vorgänge erfassen und die Befunde keine einheitliche Wirkung aller Pandemiebelastungen belegen.
Über die Altersgruppen hinweg standen vor allem schon vor der Pandemie erhobene Gesundheitsmerkmale mit stärkeren Veränderungen der biologischen Altersmarker in Verbindung. Dazu zählten ein höherer Body-Mass-Index und DNA-Methylierungsmarker, die mit Gewicht und Rauchbelastung zusammenhängen. Auch ein geringerer sozioökonomischer Status der Eltern war bei einem der Messverfahren mit einem stärkeren Anstieg verbunden.