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Starker Regen kann die Geschwindigkeit von Gletschern in Alaska mehr als verdoppeln
Große Gletscher fließen nicht immer im gleichen Tempo. Am Sít’ Kusá in Alaska sind starke Regenfälle häufig mit kurzen Geschwindigkeitsschüben verbunden, wie Messdaten aus mehreren Jahren nahelegen. Selbst in der langsamen Phase stieg das Tempo zeitweise auf mehr als das Dreifache, was auf die wichtige Rolle des Wassers unter dem Eis hinweist.
Boise (U.S.A.). Gletscher bewegen sich unter ihrem eigenen Gewicht langsam talwärts, doch ihr Tempo ist keineswegs konstant. Bei ausgeprägten Schubphasen können sie über längere Zeit sehr viel schneller fließen als üblich.
Was unter dem Eis geschieht, bestimmt einen erheblichen Teil dieser Bewegung. Dringt Regen- oder Schmelzwasser bis an den Gletschergrund, kann der Wasserdruck dort die Reibung verringern und das Gleiten des Eises begünstigen. Entscheidend ist dabei, ob das Wasser über verbundene Kanäle abfließen kann oder vorübergehend zurückgehalten wird.
Forscher der Boise State University um Parker Wilkerson haben diese Zusammenhänge nun am Sít’ Kusá, auch Turner-Gletscher genannt, im Südosten Alaskas untersucht. Dafür werteten sie zehn GPS-Zeitreihen direkt auf dem Eis zwischen 2020 und 2024 aus und verglichen die daraus abgeleiteten Geschwindigkeiten mit modellierten Niederschlagsmengen.
Die Messgeräte erfassten Positionssignale im Abstand von 15 Sekunden. Die Daten deckten Teile der schnellen Schubphase von 2020 bis 2021 und der anschließenden langsameren Phase von 2022 bis 2024 ab, wobei die Aufzeichnungen jeweils nur Ausschnitte der Jahre umfassen. Die Untersuchung liegt bislang als wissenschaftlicher Preprint vor und wurde noch nicht fachbegutachtet.
Während der aktiven Schubphase gingen neun von 16 größeren Regenereignissen mit erkennbaren Beschleunigungen einher. Dabei erreichten die kurzfristigen Geschwindigkeitsspitzen laut Auswertung rund 7,5 Meter pro Tag, etwa 116 Prozent mehr als vor dem jeweiligen Regenereignis.
Der zusätzliche Schub setzte im Mittel etwa zwölf Stunden nach Regenbeginn ein und hielt durchschnittlich 66,5 Stunden an. Anschließend fiel die Geschwindigkeit innerhalb weniger Tage wieder in die Nähe des vorherigen Wertes.
In der langsamen Phase folgte dagegen auf 17 von 37 größeren Regenereignissen ein Temposchub. Dabei erreichte das Eis etwa 1,5 Meter pro Tag, lag prozentual mit einem Zuwachs von 251 Prozent aber besonders deutlich über dem viel niedrigeren Ausgangstempo.
Die Reaktion setzte dort im Mittel erst nach etwa 32 Stunden ein und dauerte rund 33 Stunden. Damit beeinflusste Regen die Bewegung auch dann deutlich, wenn keine große Schubphase ablief.
Die zeitlichen Unterschiede sprechen dafür, dass sich die Wasserführung unter dem Eis zwischen den beiden Phasen verändert. Während einer Schubphase könnten weniger gut verbundene Hohlräume Wasser stauen, dessen Druck das Eis rasch beschleunigt.