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KI-Rechenzentren könnten Kühlwasserbedarf in Deutschland bis 2030 mehr als verdoppeln
Der Durst der Datenzentren: Der Wasserbedarf deutscher Rechenzentren könnte bis 2030 von geschätzten 13 auf bis zu 27 Milliarden Liter jährlich steigen. Besonders große Anlagen für künstliche Intelligenz erhöhen laut einer neuen Modellrechnung das Risiko lokaler Nutzungskonflikte. Wie stark die Belastung ausfällt, hängt vor allem von Standort, Kühltechnik und den bislang lückenhaften Verbrauchsdaten ab.
Hamburg (Deutschland). Rechenzentren liefern die Rechenleistung für künstliche Intelligenz, Cloud-Dienste und digitale Alltagsanwendungen. Dabei entsteht Wärme, die rund um die Uhr aus den Serverräumen abgeführt werden muss. Bei Verdunstungskühlungen verdampft dafür ein Teil des eingesetzten Wassers und steht der lokalen Wasserversorgung nicht unmittelbar wieder zur Verfügung.
In Regionen mit knappen Wasserressourcen kann deshalb auch eine zusätzliche industrielle Nachfrage zum Problem werden. Besonders die geplanten sehr großen KI-Anlagen werfen die Frage auf, wie stark sie die Wasserbilanz ihrer Standorte künftig belasten könnten. Bislang fehlen jedoch für viele bestehende Rechenzentren vollständige und öffentlich überprüfbare Verbrauchszahlen.
Das Öko-Institut hat im Auftrag von Greenpeace anhand verfügbarer Daten und geplanter Projekte den Kühlwasserbedarf deutscher Rechenzentren abgeschätzt. Die Berechnungen berücksichtigen auch knapp 30 geplante Mega-Rechenzentren mit mehr als 100 Megawatt IT-Anschlussleistung. Es handelt sich um Modellschätzungen und nicht um eine flächendeckende Messung aller Standorte.
Für das Jahr 2025 ergeben sich demnach rund 13 Milliarden Liter Wasserverbrauch allein zur Kühlung. Bis 2030 könnte dieser Wert auf bis zu 27 Milliarden Liter jährlich steigen, ungefähr den Trinkwasserbedarf von 580.000 Menschen. Der höhere Wert ist eine Projektion unter den zugrunde gelegten Annahmen, keine bereits feststehende Entwicklung.
Für eine einzelne neue Großanlage wird je nach eingesetzter Kühltechnik ein Jahresbedarf von etwa 200 bis 930 Millionen Litern veranschlagt. Die große Spanne zeigt, dass nicht allein die Leistung der Server den Wasserbedarf bestimmt. Entscheidend ist auch, wie die entstehende Wärme abgeführt wird.
Bei der Verdunstungskühlung wird Wärme mithilfe verdampfenden Wassers an die Umgebung abgegeben. Geschlossene Kreisläufe und trockene Kühlsysteme können diesen direkten Wasserverbrauch für die Kühlung hingegen weitgehend vermeiden. Wie hoch der tatsächliche Verbrauch ausfällt, hängt damit wesentlich von den gewählten Anlagen ab.
Dass Kühlung ohne einen entsprechenden Wasserverbrauch möglich ist, zeigen auch Angaben der Bundesregierung. Demnach benötigen die vom Informationstechnikzentrum Bund erfassten Rechenzentren aufgrund geschlossener Kühlkreisläufe kein Wasser für die Kühlung. Das sagt allerdings nichts über den Wasserbedarf aus, der bei der Erzeugung des Stroms oder der Herstellung der Hardware entsteht.
Wassersparende Kühlung muss dabei nicht zwangsläufig eine schlechtere Stromeffizienz bedeuten. Das Umweltbundesamt fand in den veröffentlichten Registerdaten keinen Zusammenhang zwischen hohem Wasserverbrauch und einem besonders niedrigen Energieeffizienzwert. Auch der Branchenverband Bitkom fordert, beim Ausbau die Wechselwirkungen zwischen Strom- und Wasserverbrauch gemeinsam zu berücksichtigen.
Seit 2024 müssen Betreiber von Rechenzentren ab 300 Kilowatt elektrischer Anschlussleistung unter anderem Angaben zum Energie- und Wasserverbrauch veröffentlichen. In der öffentlich zugänglichen Bundesdatenbank standen bei einer Auswertung im September 2026 allerdings erst 319 Rechenzentren. Das Umweltbundesamt stellte außerdem unvollständige und fehlerhafte Datensätze fest, besonders bei großen internationalen Betreibern.