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Guatemalas Korruptionsbekämpfer riskieren ihr Leben
Guatemalas Präsident Arévalo versucht, die Korruption im Land zu bekämpfen. Doch der Widerstand einflussreicher Kreise ist massiv. Der Mord an einem der bekanntesten Anwälte des Landes zeigt, wie entschlossen sie sind.
Francisco Solórzano Foppa war gerade im Stadion angekommen. Er trainierte eine Fußballmannschaft, wollte mit den Spielern die Taktik für das Spiel besprechen. Sein Sicherheitspersonal stand etwa 30 Meter entfernt. Dann eröffneten vier bewaffnete Männer in Sporttrikots das Feuer. Mehr als 50 Patronenhülsen wurden am Tatort gefunden.
Es sei ein schmerzhafter Tag, der aber mit Nachdruck bestätigt, wie wichtig der direkte Kampf gegen die Narco-Politik - also den Einfluss krimineller Netzwerke aus dem Drogenhandel auf Staat und Politik -, die kriminellen Organisationen und die Gewalt sei, erklärte der guatemaltekische Reformer und sozialdemokratische Präsident Bernardo Arévalo anschließend in einer Ansprache.
Für Guatemala ist der Mord mehr als ein Verbrechen. Rund 30 Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs ist er ein Signal. Der deutsche Menschenrechtsanwalt Michael Mörth, der in Guatemala lebt, erkennt eine klare Botschaft. Die Vergangenheit sei nicht vorbei.
"Dieses Gefühl der Repression, des Krieges, des Auslöschens, des Völkermords, das ist noch da. Und gerade für die, die aktiv sind, ist die Botschaft: Die Vergangenheit lebt, und wir können genauso handeln, wie wir früher gehandelt haben."
Solórzano Foppa wurde im Stadion von gleich vier Schützen ermordet.
Solórzano Foppa hatte sich als Staatsanwalt und Chef der Steuerbehörde mit mächtigen Interessen angelegt. Er verteidigte als Rechtsanwalt auch den Journalisten José Rubén Zamora Marroquín, der Ende November mit dem Hermann-Kesten-Preis des deutschen PEN ausgezeichnet wird. Mit seiner Zeitung El Periódico hatte Zamora Korruption in höchsten politischen Kreisen aufgedeckt. Dann wurde er selbst angeklagt und saß mehr als zwei Jahre im Gefängnis, unter anderem wegen des Vorwurfs der Geldwäsche. Beweise konnte die Staatsanwaltschaft nie vorlegen. Heute steht er unter Hausarrest.
Auch Foppa wurde im Zusammenhang mit Zamoras Verteidigung verfolgt und inhaftiert. "Er war sehr mutig. Er war eine starke Persönlichkeit, mitreißend. Er landete wegen meines Falls im Gefängnis. Er hat nie aufgegeben, immer Gesicht gezeigt und offen gesprochen", betont Zamora.
Die Verfahren gegen Zamora betrieb die damalige Generalstaatsanwältin María Consuelo Porras. Menschenrechtsorganisationen halten sie für politisch motiviert. Gegen Porras haben die USA und die EU Sanktionen verhängt.
Solórzano Foppa wusste, dass er mächtige Gegner hatte - auch er war für seinen Kampf gegen Korruption schon in Gewahrsam genommen worden.