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Australiens Social-Media-Ban: Ineffektiv durch unwillige Plattformbetreiber?
Eine Untersuchung der australischen eSafety-Behörde liefert Hinweise, dass Plattformbetreiber die Altersverifikation in Australien unzureichend umsetzen.
Seitdem Australien im Dezember 2025 sein Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige einführte, schauen viele Länder gebannt auf den weiteren Verlauf der Konfrontation zwischen Staat und Plattformanbietern. Schon einige Monate später erklärten selbst vom Verbot überzeugte australische Politikerinnen und Politiker, dass trotz des Verbots noch viele Jugendliche weiterhin Angebote wie Instagram, Snapchat und TikTok nutzten. Kritiker des Verbots sahen sich dadurch in ihrer Haltung bestätigt. Ein erster Evaluationsbericht der australischen Internetaufsichtsbehörde eSafety legt aber nun nahe, dass der bisher eher mäßige Erfolg der Altersgrenze vor allem an den Plattformen selbst liegt. Sie machten es Kindern und Jugendlichen immer noch zu leicht, die Altersgrenze zu umgehen.
Laut der nun vorgelegten Studie von eSafety – auf die noch weitere folgen sollen – sank der Anteil der Minderjährigen mit eigenem Social-Media-Konto in den ersten drei Monaten nach Einführung der Altersgrenze zwar messbar von 52,4 auf 42,1 Prozent, die tatsächliche Nutzung der Plattformen ging allerdings weit weniger zurück: 81,5 Prozent der Unter-16-Jährigen griffen demnach weiterhin auf Social Media zu, gegenüber zuvor 85,9 Prozent. Die Behörde bezeichnet diese Effekte als „bescheiden, aber statistisch signifikant“.
Die Studie basiert auf einer Längsschnittuntersuchung mit über 4000 Kindern und Familien. Befragt wurde sowohl unmittelbar vor Inkrafttreten der Regelung im Dezember 2025 als auch drei Monate danach. Die Differenz zwischen dem stärkeren Rückgang bei Konten (minus 10,3 Prozentpunkte) und dem geringen Rückgang bei der Gesamtnutzung (minus 4,4 Prozentpunkte) deutet laut eSafety auf verbreitete Ausweichstrategien hin: Viele Kinder nutzen Social Media offenbar über gemeinsame Familienkonten, Geräte von Eltern oder älteren Geschwistern. Manche wichen auch auf weniger populäre Angebote wie BeReal, Reddit oder Kick aus. Die Untersuchung mache allerdings besonders deutlich, dass Kinder und Jugendliche insbesondere dann auf nun eigentlich verbotenen populären Plattformen verblieben, wenn diese sie nicht effektiv aussperren.
Auch wenn noch nicht gerichtlich festgestellt wurde, dass die Plattformen zu lax prüfen, deuten sowohl die aktuellen Untersuchungsergebnisse als auch andere Beobachtungen stark darauf hin. Schon seit einem im März veröffentlichten Compliance-Bericht habe sie „erhebliche Bedenken hinsichtlich der Compliance“ bei fünf der zehn vom Verbot betroffenen Dienste: Facebook, Instagram, Snapchat, TikTok und YouTube. Für juristische Auseinandersetzungen gegen alle fünf Plattformen sammelt die Behörde weiterhin Beweise und ist nach eigenen Angaben bereits von einer Überwachungsphase in eine Durchsetzungshaltung übergegangen. So hatte die australische Regierung Ende Juni angekündigt, den maximalen Strafrahmen für widerrechtlich handelnde Plattformen von 49,5 auf 99 Millionen australische Dollar zu verdoppeln.
Dass Heranwachsende bereits existierende Nutzerkonten nach Verbotseinführung oft einfach weiternutzen konnten, gaben sie für die Untersuchung sehr freimütig an. 50,2 Prozent konnten das etwa tun, weil die Plattform sie bisher nicht nach ihrem Alter gefragt hat. 37,1 Prozent nutzten Konten immer noch mit offenbar zuvor falsch angegebenem Alter und 18,2 Prozent gaben an, dass das Altersverifizierungssystem der Plattform das Alter falsch eingeschätzt hat.
Die Erfahrungen zeigen, dass einige Plattformen Kinder, die sich zuvor als unter 16 eingestuft hatten, beispielsweise dazu auffordern, per Selfie-Scan ihr Alter nach oben zu korrigieren. Die Systeme erlauben indessen mehrfache Versuche beim gleichen Alterstest, bis ein Ergebnis über 16 erzielt wird. Zudem funktionieren Meldewege für Unter-16-Konten nur unzureichend, und nach Kontosperrungen können Minderjährige problemlos neue Konten anlegen.