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RCS: Google will mit dem Chatprotokoll Business machen
Google will RCS zum neuen Werkzeug für Firmenkommunikation machen und wirbt auf einer Deutschlandtour um Geschäftskunden.
RCS, kurz für Rich Communication Services, ist hierzulande mittlerweile auf fast jedem Smartphone vorhanden. Spätestens seit Apple RCS in der Nachrichten-App unterstützt, ist das Nachrichtenprotokoll des Branchenverbands GSMA zu einem universellen Messenger geworden. Seitdem auch das iPhone RCS unterstützt, ist die Plattform in den USA weit verbreitet. Doch diesseits des Atlantiks hat RCS bei Nutzern und Unternehmen noch wenig bekannt.
Dabei bieten 96 Prozent aller Smartphones in Deutschland RCS. Das soll laut der deutschen RCS-Initiative von Telekom, Vodafone, 1&1 und Telefónica rund 68 Millionen Smartphones entsprechen und vor allem Android und iOS abdecken. Der Rest seien Sonderfälle wie Huawei-Smartphones, heißt es. Feature Phones sind in den Zahlen nicht enthalten.
Google, die Telekom und Netsfere, ein Anbieter von RCS-Lösungen, touren in diesem Sommer gemeinsam durch deutsche Städte, um Unternehmen das System als Kommunikationskanal zu ihren Kunden nahezubringen. Wer als Unternehmen einen RCS-Chat anbieten will, kann das aber nicht einfach machen, Firmen müssen sich verifizieren lassen. Das übernehmen in Deutschland die vier Netzbetreiber. Der Prozess, so war zu hören, dauert aber ein paar Wochen. Allerdings sollen sich Testsetups mit eingeschränkten Empfängern recht schnell aufsetzen lassen. Die Empfänger solcher Nachrichten sehen dann über dem Chat ein Firmenlogo. Unter iOS kann man dann auf das Logo klicken, um zu sehen, wer das Unternehmen verifiziert hat.
Sollte dann doch einmal ein Unternehmen sich nicht an die Regeln halten, können Anwender auch Spam-Nachrichten melden. Wenn der Nutzer zudem keine Nachrichten mehr erhalten will, kann er dies lazt Google ohne Umwege abschalten. Im Zweifel über die Block-Funktion, die über das Anklicken des Logos bei uns erreichbar war. Es ist also auch im Interesse der Unternehmen, die potenzielle Kundschaft nicht zu nerven.
Das Konzept kennen iMessage-Nutzer auch. Der Apple Messages for Business (AMB) – etwa bei der niederländischen Airline KLM im Einsatz – bietet Ähnliches wie RCS for Business, ist aber plattformtechnisch eingeschränkt. In Details gibt es zwischen den beiden Systemen leichte Unterschiede, etwa bei der Ansicht der Profile oder auch bei Interaktionen oder der Kacheldarstellung (Karussell).
Nach Angaben von Netsfere lassen sich AMB-Vorarbeiten nutzen, um daraus eine RCS-Lösung zu konstruieren. Man benötigt aber neue Verifizierungen und AMB-Nutzer können nicht per RCS angesprochen werden.
Google und Netsfere betonen die Vorteile von RCS. Der offensichtlichste: Dank der nativen Unterstützung in den Betriebssystemen benötigt man keine App. Zudem lässt sich im RCS-Chat vieles mit interaktiven Elementen direkt klären, etwa vorgefertigte Buttons. Es ist also kein reines Frage- und Antwort-Spiel wie bei Kurznachrichten per SMS. Verglichen mit Kurznachrichten per SMS soll die "Engagement Rate" laut Netsfere beim Dreifachen liegen, Kunden sollen also deutlich öfter auf empfangene RCS-Nachrichten eingehen.
Im Zweifel lässt sich ein Kunde sogar auf Webseiten umleiten, ohne ihn zu verlieren, denn RCS for Business sieht eine Webseiten-Darstellung vor. Das Unternehmen kann etwa einstellen, ob die Webseite die Hälfte, drei Viertel oder den ganzen Bildschirm nutzt. Der Chat kann also weiter sichtbar bleiben. Auch Google wird mit seiner Suchmaschine nachhelfen. Unterstützt ein Unternehmen RCS for Business und sucht jemand nach dem Unternehmen, dann wird der RCS-Chat prominent als eines der Suchergebnisse angezeigt. Das funktioniert aber nicht auf der Desktop-Suche. Laut Google ist die Integration noch ein manueller Prozess.
Viele Beispiele für RCS for Business gibt es bisher nicht, wie auch ein Blick auf die Googles Webseite mit Kundenerfahrungen zeigt. Man ist mit RCS for Business also noch am Anfang, denn große Namen fehlen weitestgehend.