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Prinz Pi: Warum der Rapper nach 25 Jahren seine Karriere beendet
Künstler Prinz Pi: »Man produziert keine Alben mehr, sondern einen Batzen 15-Sekunden-Häppchen in der Hoffnung, dass eines davon viral geht«
Vor wenigen Wochen überraschte Friedrich Kautz seine Fans mit der Nachricht, dass er seine Musikkarriere beendet.
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Nach seiner Abschiedstournee im kommenden Oktober wird der 46-jährige Berliner unter seinem Künstlernamen Prinz Pi keine Konzerte mehr spielen und keine neuen Alben mehr veröffentlichen. Nun spricht der Hip-Hop-Veteran ausführlich über die Hintergründe seines Entschlusses. Im Interview mit dem »Stern« sagt Kautz: »Für Künstler meiner Größenordnung ist das System in der heutigen Musikindustrie kollabiert.«
Sein Karriereende geschehe weder aus Unlust noch freiwillig, sondern sei reine finanzielle Notwendigkeit: »Als Vater und hauptsächlicher Ernährer kommt meine Familie an erster Stelle – wenn meine Beschäftigung nicht mehr genügend einbringt, muss ich wohl oder übel wechseln«, sagt Kautz dem »Stern«. Viele Hörer zu haben, spiegelte sich im heutigen Markt schlicht nicht mehr auf dem Bankkonto wider: »Gute Chartplatzierungen und hohe monatliche Hörerzahlen bringen einem in der heutigen Streaming-Realität finanziell nicht mehr viel«, kritisiert der Rapper.
Auch Videoplattformen wie YouTube böten kaum noch verlässliche Erträge, um die Entstehungskosten neuer Werke einzuspielen: »Um die Kosten für ein einzelnes Musikvideo hereinzuholen, brauche ich mehrere Millionen Klicks. Das schaffe ich nur ganz selten.«
Verschärft werde die wirtschaftliche Lage durch drastisch gestiegene Kosten im Livesektor für Personal, Logistik und Hallenmieten: »Früher lag der Break-even einer Tour vielleicht bei 50 Prozent Auslastung. Heute schreiben wir erst ab 80 Prozent eine schwarze Null«, sagt Kautz. Diese Schwelle sei für viele Künstler inzwischen unüberwindbar geworden.
Neben den finanziellen Zwängen stört sich Kautz an der inhaltlichen Verflachung der Musikbranche durch soziale Medien. Algorithmen und Kurzvideo-Plattformen erzwängen eine ständige Verkürzung von Inhalten auf Kosten des künstlerischen Anspruchs. »Heute verlangt der Markt den Hook in den ersten zwei Sekunden eines Reels oder TikToks, sonst wird einfach weitergewischt.« Die Konsequenz für die Musikproduktion sei fatal: »Man produziert keine Alben mehr, sondern einen Batzen 15-Sekunden-Häppchen in der Hoffnung, dass eines davon viral geht.«
Für seine eigene Arbeit lehnt er dieses Vorgehen entschieden ab. Seine Songs lebten seit jeher von narrativer Tiefe und komplexen Arrangements. »Dieses stumpfe Trial-and-Error-Prinzip und das Herunterbrechen auf schnelle, starke Reize entsprechen nicht meinem Verständnis von Kunst. Das kann ich nicht bedienen«, betont der Rapper.
Mit Kautz verlässt eine Schlüsselfigur die deutsche Hip-Hop-Landschaft. Seit Ende der Neunzigerjahre prägte er das Genre entscheidend mit und verweigerte sich dabei stereotypen Härte-Klischees: »Ich glaube, ich habe zusammen mit anderen Künstlern wie Casper und Tua gezeigt, dass man im Hip-Hop erfolgreich sein kann, ohne das klassische Klischee des starken, unverletzlichen Mannes zu bedienen«, sagt Kautz rückblickend im »Stern«. Als »bürgerlicher Außenseiter« und »studentischer Normalo« verarbeitete er Themen wie Zukunftsangst, Gesellschaftskritik und Orientierungslosigkeit.